Ein hochrangiges Mitglied der saudi-arabischen Königsfamilie hat sich zum Thema Frauen und Führerschein geäußert: Prinz al-Walid ibn Talal hat auf seiner Homepage einen Aufruf veröffentlicht, auch die Frauen seines Heimatlandes ans Steuer zu lassen. Es sei „höchste Zeit“, dass saudische Frauen ihre Autos selber fahren könnten. Man könne dennoch eine muslimische Gemeinschaft mit Traditionen bleiben.

Vor 50 Jahren, argumentiert der Prinz, hätten viele es auch skeptisch gesehen, als Mädchen der Zugang zu höherer Bildung gewährt worden sei. Noch vor wenigen Jahren seien die Ehemänner berufstätiger Frauen schräg angesehen worden. Die Zeiten würden sich ändern, und eine Frau vom Autofahren abzuhalten sei ungerecht. Die Religion sei keine Rechtfertigung dafür.

Außerdem gebe es praktische Gründe für eine Aufhebung des Verbots: Über 1,5 Millionen saudische Frauen seien berufstätig, und für sie sei es lebensnotwendig, ein sicheres Transportmittel zu haben.

Bislang keine Aufhebung des Autofahr-Verbots

Saudi-Arabien ist weltweit das einzige Land, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen. Prinz al-Walid, der ein Enkel des Gründers der saudischen Dynastie Abn al-Aziz ibn Saud ist, dürfte damit der offiziellen Regierungsmeinung widersprechen. Noch im April hatte der stellvertretende Kronprinz Mohammed bin Salman gesagt, die saudische Gesellschaft sei nicht überzeugt, dass Frauen fahren sollten. 

Al-Walid betätigt sich als Investor und ist laut Forbes-Liste mit einem Vermögen von 25,7 Miliarden Dollar der reichste  Araber. Sein Familienzweig gilt als liberal und ist von Staatsämtern ausgeschlossen.