Da denkt einer mit: Die Wachsfiguren von Harry und Meghan sind bei Madame Tussauds in London bereits vom Rest der königlichen Familie weggerückt worden.
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LondonHinter den dicken Mauern des Buckingham-Palasts herrscht Krise, seit Prinz Harry und Herzogin Meghan am Mittwochabend ihren Rückzug als hochrangige Royals angekündigt haben, ohne die königliche Familie vorab über den Schritt zu informieren.

Es laufen seitdem von Königin Elizabeth II. angesetzte Krisengespräche. So soll es mehrere Telefonate zwischen der Queen, Thronfolger Prinz Charles, Prinz William und Prinz Harry selbst gegeben haben, um schnellstmöglich eine „praktikable Lösung“ zu finden, wie es das Staatsoberhaupt intern angeblich nannte.

Harry und Meghan: Lektionen aus der Diana-Krise

„Eines der Dinge, die die Familie über die Jahre gelernt hat, ist, dass, wenn man nicht schnell handelt, die Probleme schlimmer werden“, wird in britischen Medien ein Insider zitiert. Es ist auch eine Lektion aus der Lady-Diana-Krise, in der sich die Queen allzu zögerlich verhielt und etliche Fehler beging, die am Ende sogar die Monarchie ins Wanken brachten. Nicht überhört haben dürfte man im Palast, dass Prinz Harry selbst diese Parallele zog, als er den Boulevardmedien mit einiger Verve vorwarf, Meghan genauso zu verfolgen wie einst seine Mutter, die 1997 bei einem Autounfall auf der Flucht vor Paparazzi in Paris gestorben war.

Diana starb, als Harry zwölf Jahre alt war.
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„Ich habe eine Familie, die ich beschützen muss“, sagte Harry im vergangenen Oktober in einem viel beachteten Fernsehinterview des Paares über die Schattenseiten des Lebens im Scheinwerferlicht: „Ich werde nicht das Spiel spielen, das meine Mutter getötet hat.“
Soll vor diesem Hintergrund nun die Queen dem Herzog und der Herzogin von Sussex wie bereits Harrys Mutter die Titel entziehen, wie etliche Kritiker es verlangen? Käme das nicht einer Wiederholung der Tragödie gleich?

Die Familie und vorneweg die Königin seien „verletzt und verärgert“ gewesen über die Art und Weise, wie der 35-Jährige und seine 38 Jahre alte Frau ihren Vorstoß per Instagram kommuniziert haben. So berichten es Mitarbeiter aus dem Palast. Dennoch gibt es angeblich Verständnis für ihr Bedürfnis nach einem modernen Lebensstil, wenn es auch schwierig werde, diesen in Einklang zu bringen mit der von Traditionen bestimmten Institution.

Finanzielle Unabhängigkeit

Wie können beide beispielsweise „finanziell unabhängig“ leben? Bislang übernehmen Beamte von Scotland Yard den Polizeischutz. Wer sorgt künftig für die Sicherheit?

Auch bei den Einnahmen herrscht Verwirrung. Nach eigenen Angaben stammen fünf Prozent von Harrys und Meghans Einkünften aus dem Sovereign Grant, dem königlichen Geldtopf, in den jährlich 82 Millionen Pfund aus der Staatskasse fließen. Damit soll die königliche Familie die Kosten für Angestellte, Reisen und die Erhaltung ihrer Anwesen abwickeln, er speist sich aus einer milliardenschweren Immobiliengesellschaft. Die Sussexes wollen darauf verzichten, um ihr eigenes Geld verdienen zu können. Das war ihnen bisher aufgrund ihres genau festgelegten Anteils aus dem sogenannten Kronbesitz untersagt.

Herzogin Meghan ist bereits wieder zurück nach Kanada gereist, wo ihr Sohn Archie von einer Freundin betreut wurde.
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Unklar ist dagegen, ob Harrys Vater Prinz Charles weiterhin die verbleibenden 95 Prozent, die aus einer zweiten Immobilienholding mit dem Namen Duchy of Lancaster stammen, für die Büroausgaben des Paars bezahlt. Das dürfte auch davon abhängen, ob der Herzog und die Herzogin weiterhin offizielle Termine für die Firma, wie die Royals genannt werden, wahrnehmen werden.

Laut Medienberichten unterstützte der 71-Jährige die offiziellen Verpflichtungen seiner beiden Söhne mit etwa fünf Millionen Pfund pro Jahr, 2,3 Millionen gingen an seinen jüngsten Sohn Harry. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge sprachen sich zwei Drittel der befragten Briten dafür aus, dem Paar diese finanziellen Mittel zu streichen.

Doch auch ohne diese Einnahmen dürften die Sussexes so schnell keine Geldsorgen bekommen. Das Privatvermögen des Prinzen wird auf 30 Millionen Pfund geschätzt, das Geld stammt unter anderem aus dem Erbe von Prinzessin Diana. Und auch Meghan brachte ein Vermögen aus ihrer Schauspielkarriere mit in die Ehe.

Meghan zurück in Kanada

Zudem könnte das Paar durch Vorträge, die Arbeit in Wohltätigkeitsorganisationen, das Schreiben von Büchern oder den Verkauf von Souvenirartikeln oder Kleidung unter der königlichen Marke Sussex Einnahmen generieren. Es hat sich den Namen ihrer gemeinnützigen Stiftung, Sussex Royal, bereits vor einiger Zeit als Marke eintragen lassen. Am Mittwochabend noch ging eine Internetseite online, die vor zehn Monaten im Hintergrund eingerichtet und seither vorbereitet wurde.

Während im Königreich weiterhin Aufregung wegen des beispiellosen Rückzugs der Sussexes herrscht, weilt Herzogin Meghan bereits wieder in Kanada. Dort hatte die Familie zwischen den Jahren eine sechswöchige „private Familienzeit“ genommen und nach dem Urlaub ihren acht Monate alten Sohn Archie bei einer Freundin gelassen. Manche sprachen am Freitag auch von einer Flucht der Herzogin.