Hannover - Die Bundespolizei hat am Dienstag im Raum Hannover die beiden mutmaßlichen Chefs einer Schleuserbande festgenommen.

Zudem wurden 22 Wohnungen und Arbeitsplätze in acht Bundesländern durchsucht, wie die Bundespolizei weiter mitteilte. Den beiden Männern, einem 37-jährigen Iraner und einem 54-jährigen Deutschen, werden gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern sowie die Verleitung zur missbräuchlichen Asylantragstellung vorgeworfen.

Mindestens 700 Asylsuchende Aufenthaltstitel erschlichen

Weitere Beschuldigte sind die Ehefrau und die Mutter des Iraners, ein 30-jähriger Mitarbeiter der iranischen Botschaft sowie ein Rechtsanwalt. Die Bande soll häufig Iraner nach Deutschland geschleust und dafür bis zu fünfstellige Eurobeträge verlangt haben. Nach einem Vorabbericht der „Welt“ vom Dienstag geht die Bundespolizei davon aus, dass sich mindestens 700 Asylsuchende mit Hilfe der Beschuldigten einen Aufenthaltstitel erschlichen.

Illegal Eingereiste als konvertierte Christen ausgegeben

Der 54-jährige deutsche Hauptbeschuldigte war der Bundespolizei zufolge als Dolmetscher tätig und soll die illegal Eingereisten auf Anhörungsgespräche beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) vorbereitet haben. Dabei habe er sie geschult, sich als angeblich konvertierte Christen auszugeben, denen bei einer Abschiebung in den Heimatstaat Verfolgung drohen würde. Der Dolmetscher ließ die Betroffenen dazu offenbar biblische Gleichnisse auswendig lernen.

Der Rechtsanwalt wird verdächtigt, den Geschleusten vorsätzlich zu Falschangaben gegenüber dem Bamf geraten zu haben. Das Bamf wird den weiteren Angaben zufolge nun eine Vielzahl von bewilligten Asylbescheiden überprüfen und „gegebenenfalls aufenthaltsbeendende Maßnahmen vorbereiten“. (afp)