Kürzlich im Regierungsviertel.
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BerlinKleine Kinder halten sich manchmal die Augen zu und glauben, wenn sie niemanden sehen, könne sie auch keiner sehen. So ähnlich sind wir in den vergangenen Wochen mit dem Coronavirus verfahren. Wir haben für ein paar schöne Sommerwochen einfach mal nicht hingeguckt und geglaubt, es würde schon gutgehen. Aber das Virus ist ein Rabenaas. Es ist immer noch da. Schlimmer noch: Die Zahlen der Neuinfektionen steigen wieder und das, obwohl der Sommer noch nicht mal zu Ende ist. Wir haben diese Pandemie noch nicht überstanden. Vermutlich noch lange nicht.

Vielleicht ist es daher an der Zeit, dass wir uns ein paar unangenehme Wahrheiten unserer sogenannten „neuen Normalität“ vor Augen führen. Wir alle leben nämlich im ständigen Widerspruch. Die meisten von uns tragen diszipliniert den geforderten Mund-Nasen-Schutz, aber ganz ehrlich: Wer achtet noch groß auf den Sicherheitsabstand von 1,50 Meter? Messen Sie es mal ab, es ist mehr als nur eine Schrittlänge. 

Widersprüchlich agiert aber auch die Politik. In der Schule sitzen die Jugendlichen jetzt wieder stundenlang dicht an dicht im Klassenzimmer, dürfen am Wochenende aber keine anderthalb Stunden ins Fußballstadion. Reisende aus Krisengebieten müssen sich einem Coronatest unterziehen und bis zum negativen Ergebnis in Quarantäne. Doch am Flughafen Tegel macht die Teststelle zu einer Uhrzeit dicht, zu der noch gar nicht alle Mallorca-Flieger des Tages gelandet sind. Selbst in Bayern suchen sie noch ein paar abgängige positiv Getestete. In Bayern! Überhaupt die Bundesländer: Noch immer gelten von Land zu Land unterschiedliche Regelungen. Dabei steigen fast überall die Fallzahlen. 

Aus der CDU hörte man am Montag, dass sich die Kanzlerin wohl wieder mit den Ministerpräsidenten treffen wird, um über Maßnahmen zu beraten. Die Politik muss nachbessern. Wir anderen auch.