Berlin - Vor vier Wochen hatte ich an den Entwürfen der Grünen und der FDP zu einem Transsexuellengesetz diese Punkte kritisiert: 1. Das darin vorgesehene Recht für 14-Jährige, (in den Wirren der Pubertät) geschlechtsverändernde hormonelle und operative Eingriffe an sich vornehmen zu lassen; 2. das Recht eines jeden, sein Geschlecht, seine Diversität und seinen Namen einmal im Jahr durch eine einfache Erklärung zu ändern; 3. die Strafbarkeit selbst der fahrlässigen Nennung der früheren geschlechtlichen Zuordnung eines Menschen. Das Bußgeld liegt mit 2500 Euro etwa so hoch wie im Fall des fahrlässigen Totfahrens eines Radlers.

Nach dieser Kolumne schrieben die Alt-Leser der Berliner Zeitung: „Aufrüttelnder Beitrag“, „höchstes Lob“, „genau ins Schwarze getroffen“, „kräftige Zustimmung“ (ein Ex-Präsident des Bundestags). Leicht verzögert setzten dann Transgender-Aktivisten zur Kampagne an, und zwar so: „Kleingeistig und billig“, „widerlicher Artikel“, „Hetze gegen eine Minderheit“, „Aly macht sich über Transgendermenschen lustig“, „für mich sieht es so aus, als ob der Autor pro Rassenhygiene ist“ (mit Foto), „schmierige Fantasien älterer Cis-Männer“, „Reichsbürger-kompatibler Ideologe“, „dumm und hinterhältig“, wollen „Sie eine neue Leseklientel in AfD-&-Co abfischen“, „Frechheit“, „nie gekanntes Tiefenniveau“ – und mehrfach: „Schmeißt doch endlich Aly raus!“

Eine Leserin widmete mir dieses Plakat: In der Mitte prangt ein vom verbotenen Hakenkreuz leicht abweichendes Sonnenrad, darunter steht in Frakturschrift „Gendernazi“. Weil mit dem grün-gelben Transsexuellengesetz auch Wörter wie Frau, Mutter, Muttermilch, Frauenrechte usw. auf den Misthaufen der Geschichte geworfen werden können, erheben nicht wenige Feministinnen Einwände. Auch sie werden sofort mit ehrverletzenden Beschimpfungen bedacht: „Alte weiße Frauen“, „transfeindliche Radikalfeministinnen“, „widerliche TERFs“ (Trans-Exclusionary Radical Feminists).

Der internationale Transgenderverband Iglyo fordert die freie Geschlechtswahl für unter 18-Jährige. Das von den Iglyo-Lobbyisten online veröffentlichte Papier „Only Adults?“ (Nur Erwachsene?) folgt den Prinzipien leninistischer Strategie und Taktik, um in einzelnen Staaten entsprechende Gesetzesänderungen zu erreichen. Dazu gehören Empfehlungen wie diese: „Vermeidet übermäßige Berichterstattung in der Presse“; „Aktivisten müssen den richtigen politischen Moment ausnutzen“, sich an „populäre Reformen anhängen wie zum Beispiel an die Ehe für alle“ und zuvor einzelne jüngere Politiker mit „menschenrechtlichen Argumenten“ bearbeiten. Am Schluss des Leitfadens heißt es schön bolschewistisch: „Bloß keine Kompromisse.“ Ich rate allen Interessierten und Abgeordneten dringend, diese Handlungsanweisung zu lesen.

Sie unterminiert demokratische Meinungsbildung und transparente Gesetzgebung. Und die für das Transsexuellengesetz zuständigen Abgeordneten der FDP und Grünen handeln im Sinne dieser Vorgaben, um die freie Wahl des Geschlechts für Minderjährige durchzusetzen.

Zur Taktik der Iglyo-Propagandisten gehört es zudem, jeden Widerspruch und damit jede allgemeine Diskussion mit Drohungen und Denunziationen kleinzuhalten. Eine Zeitung darf sich derartigem Druck nicht beugen.