Der US-Autor Jonathan Franzen blickt bei einer Lesung zu seinem Buch "Unschuld" im Schauspielhaus zu einem Scheinwerfer.
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HamburgDer US-Schriftsteller Jonathan Franzen (60, „Die Korrekturen“) hält den Kampf gegen den Klimawandel für verloren. „Warum geben wir das nicht zu und nehmen uns dann die Freiheit, darüber nachzudenken, wie wir unsere Ressourcen einsetzen wollen?“, sagte er in einem Interview  mti dem Nachrichtenmagazin Spiegel. „Die Klimaaktivisten sollten aufhören, sich etwas vorzumachen.“

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Das menschliche Verhalten werde sich nicht ändern, „solange wir glauben, dass wir immer noch Zeit haben, alles abzuwenden“, sagte Franzen, einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart. „Wir sollten darüber nachdenken, wie wir uns auf die Erschütterungen vorbereiten, die kommen werden. ... Die Klimakatastrophe wird richtig viel Geld kosten, so viel ist klar.“ Die finanziellen Ressourcen seien begrenzt.

Schlüsselmoment: Waldbrände südlich von Berlin 2019

Ein Schlüsselmoment waren für Franzen die Waldbrände südlich von Berlin im Sommer 2019, die er selbst miterlebte. Er habe mit einem Freund in einem Naturschutzgebiet bei Jüterbog Vögel beobachten wollen, doch dazu kam es nicht.

„Schon aus der Ferne sahen wir eine riesige Rauchsäule. Der Wald brannte. Bäume gingen explosionsartig in Flammen auf.“ In beängstigender Geschwindigkeit habe sich das Feuer ausgebreitet. Für Franzen war klar: „Es herrschte Dürre in Deutschland, dann die extreme Hitze im Sommer 2019. Plötzlich ergab das alles Sinn: Das war der Beginn der Klimakatastrophe, ich hatte ihn leibhaftig gesehen.“

Von Jonathan Franzen erscheint Ende Januar bei Rowohlt der Essay „Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?“.