Dresden - Über Lutz Bachmann kein Wort. Ihren Mitstreiter, den Pegida-Anführer, der vergangene Woche über selbst gemachte Hitler-Bildchen und Beschimpfungen von Asylbewerbern im Internet gestolpert war, erwähnt Kathrin Oertel an diesem Sonntagnachmittag mit keiner Silbe. Auch kein Wort darüber, dass die Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung gegen ihn ermittelt. Statt dessen beschimpft sie Medien an diesem regenkalten Nachmittag als „Presselügner“, was aber keine große Veränderung darstellt, bislang hieß es „Lügenpresse“

Knapp über 17.000, so schätzt die Polizei, sind am Sonntag in die Dresdner Altstadt auf den Theaterplatz vor der Semperoper zur Pegida-Kundgebung gekommen. Deutlich weniger als beim letzten Mal vor zwei Wochen. Damals waren es angeblich 25.000. Die Versammlung am vergangenen Montag war wegen einer Terrorwarnung ausgefallen, die Polizei verbot aus Sicherheitsgründen gleich sämtliche Demonstrationen in Dresden. Erstmals ist die Teilnehmerzahl gesunken, seit Pegida im Oktober 2014 mit den Kundgebungen begann.

Veranstaltung vorverlegt

Die normalerweise montags stattfindende Versammlung war um einen Tag vorverlegt worden, weil in Dresden am selben Tag ein großes Konzert über die Bühne gehen soll. Es wird vom Verein "Place to be" privat finanziert und soll ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit sein. Neben Herbert Grönemeyer treten Künstler und Gruppen wie Silly, Jupiter Jones, Marquess und Sebastian Krumbiegel auf. Die Organisatoren hoffen auf mindestens 40.000 Besucher. Auch Pegida hat seine Anhänger aufgerufen, sich am Montag unter die Konzertbesucher zu mischen.

Erstmals kündigte Oertel am Sonntag ein - wenn auch - sehr vages politisches Projekt an, welches über das bislang übliche Schimpfen und Wut ablassen hinausgehen soll: Pegida will in Sachsen ein Volksbegehren starten, um die auch von der AfD kritisierte Polizeireform zu stoppen.

Diskussion im sächsischen Landtag

Während in Dresden am Sonntagnachmittag demonstriert wurde, stritt sich die schwarz-rote Landesregierung über die Frage, ob der Islam nun auch zu Sachsen gehöre. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hatte das in einem Interview bestritten, sein Vize-Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) widersprach ihm und verwies auf die Kanzlerin: „Angela Merkel hat Recht. Der Islam gehört zu Deutschland. Das gilt auch für Sachsen."