Schweden hat die Corona-Pandemie bisher gut gemeistert, obwohl das Land eine andere Strategie gefahren hat als die meisten anderen Länder der Welt. Diese Auffassung vertritt Rainer Gatz, ein aus dem Sauerland stammender Intensivmediziner, der am Krankenhaus von Ystad an der Südküste Schwedens arbeitet: „Wir haben auf den gezielten Schutz der Risikogruppen und gleichzeitig auf Eigenverantwortung und Freiwilligkeit gesetzt.“ Ystad ist Teil der Region Schonen (schwedisch: Skåne), das Krankenhaus eher klein und Teil eines Verbundes mit den großen Krankenhäusern in Malmö und Lund. Es ist ein Akutkrankenhaus mit einer breiten Grundversorgung, vor allem im medizinischen, chirurgischen und geburtshilflichen Bereich. Die Intensivstation hat zurzeit fünf Plätze, davon zwei für intermediärmedizinische Fälle, also solche Menschen, die zu krank für eine Normalstation sind, aber noch nicht die ganze Intensivmedizin brauchen.

Gatz, der in Aachen studiert hat und seit 2003 in Skandinavien arbeitet, sagte dieser Zeitung, dass die Pandemie-Bekämpfung anfangs schlecht war. Das Besuchsverbot in den Pflegeheimen sei zu spät gekommen. Außerdem gibt es strukturelle Probleme: „Wir haben im Bereich der Altersheime einen schleichenden Prozess von Privatisierungen hinter uns. Viele Pflegekräfte sind oft nur auf Stunden- oder Tagesbasis angestellt. Eine Lohnfortzahlung haben diese Zeitangestellten nicht. Daher sind viele trotz Krankheitssymptomen zur Arbeit in den Heimen erschienen, weshalb es zu einer hohen Übersterblichkeit gekommen ist.“

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