Nach dem ersten Fall von ASP in Deutschland ist der Preis für Schlachtschweine sofort gefallen.
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BerlinDer erste Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Deutschland hat bereits massive Auswirkungen auf die Fleischbranche: China und Südkorea haben schon einen Einfuhrstopp für deutsches Schweinefleisch verhängt.

Obwohl nur eine einzelne Wildsau an der für Menschen ungefährlichen, aber für Schweine tödlichen Tierseuche erkrankt ist, wird die gesamte Branche in eine Art Geiselhaft genommen. Denn für den Export ist das Zertifikat eines Veterinärs nötig, welches bestätigt, dass Deutschland frei von ASP ist. Das ist seit Freitag nicht mehr der Fall.

Damit endet der Boom für die deutsche Branche schlagartig: Im Vorjahr war der Weltmarktpreis für Schweine deutlich gestiegen, weil in China immer mehr Fleisch gegessen wird. China ist auch der weltweit größte Produzent; als dort die Schweinepest ausbrach, mussten geschätzt 40 Prozent der Hausschweine gekeult werden. Die Nachfrage am Weltmarkt stieg, und Deutschland konnte allein im ersten Halbjahr 2020 den Export nach China um fast 60 Prozent erhöhen.

Dieser Erfolg ist dahin, der Fleischpreis in Deutschland brach sofort ein. Nun bemüht sich die Politik, die Chinesen umzustimmen. Aber auch dort wird die Produktion wieder hochgefahren, mittelfristig braucht man nicht mehr so viel Ware aus Deutschland.

Damit stellt sich die Frage, was aus der Produktion in Deutschland werden soll. Die Branche steht aus mehreren Gründen unter Druck: Da sind zum Beispiel die teils äußerst prekären Arbeitsbedingungen der ausländischen Arbeiter, die durch die Coronafälle bei Tönnies bekannt wurden. Da gibt es die Vorwürfe der nicht tiergerechten Haltung. Da verabschieden sich immer mehr Fleischesser vom Schwein und bevorzugen Geflügel. Und da gibt es den veganen Zeitgeist.

Langfristig gesehen dürfte diese Branche also kaum noch ernsthafte Wachstumschancen haben.