Die Zeit vor den Abiturprüfungen ist schlimm genug: Prüfungsangst, Existenzangst, Zukunftsangst. Schüler sind oftmals vom Lehrstoff überrumpelt und wissen nicht mehr, wo vorne und hinten ist. Dass der eine oder andere junge Mensch dabei überfordert ist, und durch die Prüfung fällt, ist nur verständlich. Dass aber ein gesamter Jahrgang, bestehend aus 27 Schülern, das Fachabitur nicht besteht, kommt schon einem schulischen Skandal gleich. So geschehen in Schweinfurt, Bayern.

In den schriftlichen Prüfungen hat die gesamte Klasse in drei Kernfächern - Mathematik, Technik und Betriebswirtschaftslehre - mit der Durchschnittsnote 6 abgeschnitten, wie der Bayerische Rundfunk berichtete.

Die Schulleitung der Privaten Fachoberschule, die 2011 neu gegründet wurde, zeigte sich "wie erschlagen". Eltern und Schüler sind vor allem sauer. Der Klassensprecher äußerte sich in der "Bild"-Zeitung und macht den Lehrern Vorwürfe: „Sie schmissen uns in der 11. Klasse die Noten hinterher, zogen in der 12. total an, wussten teils selbst keine Antworten auf unsere Fragen und waren im Unterricht völlig unvorbereitet.“

Wissensstand soll geprüft werden

Auch die Eltern sind erzürnt, zahlen sie doch für die angeblich gute Ausbildung ihrer Schützlinge ein monatliches Schulgeld von 140 Euro. Angeblich hat die Schule den Schülern nun angeboten, das Jahr zu wiederholen - kostenlos. Doch die Eltern wollen sich damit nicht zufrieden geben und gehen jetzt den juristischen Weg gegen die Oberschule. „Die Schüler hatten teilweise veraltetes Lehrmaterial, das nötige Wissen für die Prüfungen ist nicht vermittelt worden“, sagte die Eltern-Anwältin der „Bild“. Sie schließt eine Klage auf Schadenersatz nicht aus. Manche der Schüler hätten schließlich schon eine Lehrstelle oder Studienplätze gehabt – "die sind wirklich verzweifelt", sagte Anwältin Patricia Fuchs-Politzki der "Welt".

Die 27 Jugendlichen sollen offenbar auf eine staatliche Schule wechseln können. Vorher muss allerdings der Wissensstand der Schüler geprüft werden, um ihr Können einzuordnen. Eventuell könnten die mündlichen Prüfungen den einen oder anderen noch aus der Misere retten. Doch nur drei der 27 Schüler wurden überhaupt zugelassen. Die Abituraufgaben wie auch den Lehrplan legt das Kultusministerium fest, für alle Schulen im Freistaat. Im schlimmsten Falle müssen die Schüler die 11. und 12. Klasse wiederholen. Laut Anwältin zwei verlorene Jahre.

Ob die Private Schule am Ende sogar geschlossen werden muss, ist noch unklar. Immerhin gibt der Schulleiter Michael Schwarz Fehler seitens der Schule zu. Die Schule sei zwar "staatlich genehmigt", jedoch nicht "staatlich anerkannt".

Nach dem Scheitern nimmt das Kultusministerium die Bildungsqualität der Einrichtung unter die Lupe. Es sei offensichtlich, dass die Schüler nicht aus eigenem Verschulden durchgefallen seien, sagte der Sprecher des Ministeriums, Ludwig Unger, am Montag in München. „Es ist von einer schlechten Vorbereitung auszugehen.“

Am Ende einer umfangreichen Analyse der Situation an der privaten Fachoberschule in Schweinfurt könnte gar die Genehmigung für die Schule aberkannt werden. (mit dpa)