Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. 
Foto: C. Hardt/Future Image

BerlinFehler passieren. Der Autor dieser Zeilen hat schon von „Schweinwerfern“ und „Sauspielern“ geschrieben. Und auch wenn so etwas noch harmlos ist, zieht es doch tagelange Zerknirschung nach sich. Man möchte sich nicht vorstellen, wie jetzt die Person leidet, die für die PR-Abteilung der Schweizer Volkspartei (SVP) einen Aufruf in den sozialen Medien gepostet hat.  Thema ist die Begrenzungsinitiative der SVP, die am 27. September zur Volksabstimmung kommt.

Eigentlich geht es in der Initiative der nationalkonservativen, neoliberalen Partei darum, die Zuwanderung von EU-Bürgern und den freien Grenzverkehr abzuwürgen. Blöd genug. Und ein Argument ist offenbar, dass die Zugewanderten angeblich überall ihre Häuser hinbauen. Deshalb posaunt es: „Mit einem Ja zur Begrenzungsinitiative wird die Schweiz nicht weiter zubetoniert!“

Um den ohnehin schon brutalen Post zu illustrieren, suchte der Social-Media-Mensch bei einer Bildagentur unter dem Stichwort „Beton“ und fand ein vermeintlich zum Thema passendes Foto: lauter graue Quader und kein bisschen Berggrün. Schwupp, ab damit in den Channel, auf dass es schön trendet!

Die Kommentare ließen nicht auf sich warten, denn bei den Quadern handelt es sich um die Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals. Der Tweet wurde hektisch gelöscht, es wurde sich „lieb entschuldigt“, wie die Schriftstellerin Sibylle Berg in einem Kommentar ätzt. Der SVP-Sekretär teilt mit, dass bei der Freigabe des Posts die Symbolik des Bildes nicht bekannt war.

Das glauben wir natürlich, wenn wir uns auch ein bisschen dabei anstrengen müssen. Und wenn wir schon mal dabei sind, fallen uns noch ganz andere vielleicht aus Versehen getätigte Parolen der Partei ein. Vielleicht meinten sie 2004 gar nicht die Linken, als sie gegen „Rote Ratten“ zu Felde zogen. Vielleicht auch nicht die Schengen-Verträge als sie von einem „Trojanischen Pferd“ sprachen? Und als sie 2007 eine Initiative zur Ausschaffung (Abschiebung) ins Leben rief, hat sich auf der Bebilderung vielleicht ganz aus Versehen ein schwarzes Schaf in einer weißen Herde verlaufen?