Berlin - Ehrlich gesagt hat mich der Politbüroprozess nicht interessiert, als er vor 25 Jahren im Berliner Landgericht in Moabit stattfand – keine Spur von persönlicher, gar emotional gefärbter Erinnerung. 1996 gab es für mich ein Kleinkind, Sorge um den Job, arbeitslose Verwandtschaft, andauernde Orientierungssuche im neuen Koordinatensystem des Beitrittsgebietes Ost. Den Männern vor Gericht ­– Egon Krenz, Günter Schabowski und Günther Kleiber, alle aus der Partei- und Staatsführung der DDR –, trug ich einiges nach: Sie hatten den Versuch, ein besseres Land aufzubauen, vermasselt, Reformen verschleppt, Wahlergebnisse massiv geschönt. Leute in den Westen vergrault. Kritische, unruhige Geister schikaniert. So sah ich das.

Inzwischen schlug sich der Osten mit den Konsequenzen des DDR-Untergangs herum. Es gab Westgeld, 47 Sorten Blusen an der Warenhausstange, Kanaren-Urlaub, weniger Gesinnungsgängelung – okay. Andererseits galten nun Frauenrechte wie im Kaiserreich, Abtreibungs- und Schwulenrechte machten die Rolle rückwärts, völlig irre Steuerregeln wie das Ehegattensplittung zementierten verstaubte Gesellschaftsbilder.

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