Schwimm-Unterricht: Nur jeder zweite Grundschüler kann schwimmen

Halle (Saale) - Nur jeder zweite deutsche Grundschüler kann am Ende der vierten Klasse schwimmen. Das teilt die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) mit. Das sind zwar mehr Schüler als noch vor zehn Jahren - 2004 lag die Quote bundesweit bei nur 34 Prozent -, doch laut DLRG-Pressesprecher Martin Janssen ist es um die Schwimmausbildung vieler Kinder dennoch schlecht bestellt.

Verlässliche Zahlen über die Schwimmausbildung in Sachsen-Anhalt gibt es laut Janssen nicht. Er spricht von einem "Aderlass" bei den Schwimmbad-Kapazitäten. Bundesweit gebe es einfach nicht genügend Schwimmbäder, um alle Kinder in den Schwimmunterricht schicken zu können. "Mehr als 20 Prozent der Grundschulen können keinen Schwimmunterricht anbieten, weil es in ihrer Umgebung schlicht kein Bad gibt", so Janssen. Viele Bäder würden geschlossen, nur wenige neue eröffnet.

Auch beim Personal gebe es Probleme. So unterrichteten oftmals fachfremde Lehrer die Kinder im Schwimmen. In Sachsen-Anhalt dürfen nach einem Erlass des Kultusministeriums nur Fachlehrer für Sport den Schwimmunterricht durchführen. Sie müssen eine Ausbildung über Methoden des Schwimmunterrichts gemacht haben.

Eltern, die ihren Nachwuchs in Schwimmkurse außerhalb der Schule schicken wollen, müssen laut dem Pressesprecher oft lange Wartezeiten in Kauf nehmen: "Es kann bis zu anderthalb Jahren dauern, bis man einen Platz bekommt."

Zu den fehlenden Schwimmangeboten kämen oft auf desinteressierte Kinder, findet Janssen: "Ich habe zumindest den Eindruck, dass vielen jungen Leuten das Interesse an Sport und körperlicher Betätigung im Allgemeinen abhanden gekommen ist. Sie scheinen sich mehr für Computerspiele zu interessieren."

Vorsicht im Badeurlaub

Was passiert aber mit den Kindern, die bis zum Ende der Grundschule nicht gelernt haben, wie man schwimmt? Fünf bis zehn Prozent von ihnen holen es als Jugendliche nach. Das ist allerdings schwierig, da Schwimmangebote für diese Altersgruppe meist als Training ausgelegt sind - nicht als Anfängerkurse. Nach dem 18. Lebensjahr versuchen laut Janssen nur noch vier Prozent, schwimmen zu lernen.

Wer das Schwimmen nicht richtig beherrscht, sollte im Badeurlaub vorsichtig sein. Dabei schweben allerdings nicht die absoluten Nichtschimmer in der größten Gefahr: "Sie haben meistens eine Art Angst vor dem Wasser aufgebaut und sind darauf bedacht, sich nicht in Gefahr zu bringen", so der Pressesprecher. Heikler seien Schwimmer, die nur das Seepferdchen gemacht haben: "Sie haben keinen richtigen Schwimm-Stil erlernt, bewegen sich oft unkoordiniert." Außerdem neigten solche Schwimmer dazu, Distanzen zu unterschätzen und sich zu viel zuzumuten. (mz)