Archivbild: Rettungsaktion von der Hilfsorganisation Sea-Watch 2017 im Mittelmeer.
Foto: imago images/Rene Traut

BerlinDas von der evangelischen Kirche unterstützte neue Seenotrettungsschiff „Sea-Watch 4“ soll nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP noch im August seinen ersten Einsatz im Mittelmeer beginnen. Das teilte danach das Trägerbündnis United4Rescue am Donnerstag in Berlin mit. Diesem Bündnis schloss sich nun auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen an, die den von der Organisation Sea-Watch operativ geleiteten Einsatz medizinisch unterstützen will.

Die „Sea-Watch 4“ wird derzeit im spanischen Hafen Burriana auf ihren Einsatz vorbereitet. Sie soll insbesondere Flüchtlinge in den Gewässern vor Libyen vor dem Ertrinken retten. „Während europäische Staaten weiterhin Such- und Rettungsaktivitäten blockieren und kriminalisieren, ist die ‚Sea-Watch 4‘ ein klares Zeichen der Solidarität und Menschlichkeit, die dem Sterbenlassen im Mittelmeer nicht tatenlos zusieht“, teilten die beteiligten Organisationen gemeinsam mit.

Verzögerungen wegen Corona-Pandemie

Auf Initiative und mit maßgeblicher Unterstützung der evangelischen Kirche in Deutschland hatte United4Rescue das frühere Forschungsschiff „Poseidon“ Anfang des Jahres ersteigert. Es wurde im Februar auf den Namen „Sea-Watch 4“ getauft. Der erste Einsatz hatte sich wiederholt verzögert, auch wegen der Corona-Pandemie und deren Folgen. Das Schiff verfügt über 21 Besatzungsmitglieder, darunter eine Ärztin, eine Hebamme und zwei weitere medizinische Fachkräfte.

„Die ‚Sea-Watch 4‘ und das dahinter stehende breite Bündnis sind die deutliche Antwort der Zivilgesellschaft auf die rassistische Politik der EU, die Menschen ertrinken lässt, damit sie europäisches Festland nicht erreichen“, erklärte Einsatzleiter Philipp Hahn. So koordiniere die EU lieber illegale Rückführungen von Geflüchteten nach Libyen, während Rettungsschiffe „an die Kette gelegt werden“. Sea-Watch wies darauf hin, dass sich wegen solcher Repressionen derzeit kein ziviles Seenotrettungsschiff im Mittelmeer befinde.

Es gehe bei der Mission um „eine humanitäre Maßnahme, also praktische diakonische Arbeit und ein politisches Zeichen dafür, dass wir uns weiter einmischen werden“, begründete der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm das Engagement der evangelischen Kirche. „Wir können Beten und Handeln nicht trennen“, hob der Bischof hervor.

Bischof kritisiert Minister Seehofer

„Wir werden weiter sehr intensiv darauf dringen, dass Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, aufgenommen werden können“, betonte Bedford-Strohm weiter in der Süddeutschen Zeitung. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die restriktive Politik von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der kürzlich eine Initiative Berlins zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland abgelehnt hatte.

Auch der katholische Erzbischof von München, Reinhard Marx, hat United4Rescue und andere Initiative zur privaten Seenotrettung wiederholt finanziell und ideell unterstützt. Zu den mehr als 500 Bündnispartnern von United4Rescue zählen auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sowie Sozialverbände, Menschenrechtsorganisationen, der Islamrat und zahlreiche evangelische sowie auch einige katholische Pfarrgemeinden.

Für den Ausbau der Krankenstation des Rettungsschiffs stellte das Bündnis nun noch einmal 150.000 Euro zur Verfügung. Neben der „Sea-Watch 4“ unterstützt United4Rescue auch weitere Initiativen zur Seenotrettung. Gründungsmitglied Sandra Bils forderte aber auch die europäischen Staaten auf, künftig ihrer Verantwortung dafür gerecht zu werden.