Rom - Die Spenden für die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch sind nach der Festnahme ihrer Kapitänin Carola Rackete in die Höhe geschossen. Mehr als eine Million Euro gingen ein. Über den Aufruf der Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf kamen bis Montagmittag mehr als 735 000 Euro zusammen, auf einer italienischen Facebook-Seite wurden mehr als 410 000 Euro gesammelt.

„Sea-Watch 3“ in Italien beschlagnahmt

Rackete war mit der „Sea-Watch 3“ und 40 Migranten an Bord am Wochenende unerlaubt in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa gefahren und wurde festgenommen. Die italienische Regierung sieht für das unerlaubte Einfahren Strafen in Höhe von bis zu 50 000 Euro vor. Die „Sea-Watch 3“ wurde beschlagnahmt.

Das Geld sei einerseits für die Gerichtskosten von Rackete, erklärte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer. Er fügte hinzu: „Wenn das Schiff beschlagnahmt bleibt, brauchen wir ein neues.“

Vater der Sea-Watch-Kapitänin hofft auf Druck der Bundesregierung

Nach der Inhaftierung von Carola Rackete hofft ihr Vater nun auf den Einsatz der Bundesregierung. „Ich denke, der internationale Druck auf die italienische Regierung wird einiges bewirken“, sagte Ekkehart Rackete aus dem niedersächsischen Hambühren am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Er halte das südeuropäische Land aber „nach wie vor“ für einen souveränen Rechtsstaat und mache sich keine großen Sorgen um seine Tochter. Erst gestern habe er mit ihr telefoniert: „Sie ist lustig und guter Dinge und sieht der ganzen Sache eigentlich gelassen ins Auge.“ Über die Kollision ihres Schiffes mit der Finanzpolizei habe Rackete nicht mit ihm gesprochen.

Rackete habe schon früher für Sea-Watch gearbeitet

„Sie ist nicht blauäugig auf einen Abenteuertrip gegangen“, betonte der 74-Jährige im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Bevor sie vor einigen Wochen nach Lampedusa geflogen sei, habe sie intensiven Kontakt mit dem italienischem Rechtsbeistand von Seawatch gehabt. Sie habe zudem schon früher für die Hilfsorganisation gearbeitet. Durch ihre Tätigkeit als nautische Offizierin ist sie es gewohnt, Entscheidungen zu treffen und vorher die Lage zu beurteilen, wie Rackete sagte. Sie tue, was sie für nötig halte, solange sie niemandem schade. So auch im Fall der Migranten an Bord der Sea-Watch. „Eine sozialrevolutionäre Ader hat sie nie gehabt.“

Rackete soll an diesem Montagnachmittag von einem Ermittlungsrichter vernommen werden. Der 31-Jährigen werden Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Verletzung des Seerechts und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen, weil sie sich Anweisungen von Militärschiffen widersetzt haben soll. Rackete war letzte Woche mit dem Schiff „Sea-Watch 3“ mit mehr als 40 Migranten trotz Verbots der Regierung in Rom in italienische Gewässer gefahren. (dpa)