Washington - Ein paar Sekunden immerhin war er im Bild. Es war kurz nach zwei Uhr mittags, als der Nachrichtensender CNN am Mittwoch seine Berichterstattung zur Russland-Ermittlung unterbrach, um eilig ins Weiße Haus zu schalten. Dort begrüßte US-Präsident Donald Trump gerade den österreichischen Kanzler Sebastian Kurz.

Doch das Interesse der amerikanischen Medien galt nicht dem Gast. Bald schon verengte sich das Fernsehbild auf Trump. Alle 13 Fragen, die gestellt wurden, galten ihm. Es ging um die angedrohten Auto-Zölle gegen die EU, den erwarteten Bericht von Sonderermittler Robert Mueller und die bevorstehende Reise zu Kim Jong Un. Nur ein Reporter wollte wissen, was er von Kurz erwarte. „Wir werden ein gutes Gespräch haben“, antwortete Trump: „Er ist ein sehr junger Regierungschef, muss ich Ihnen sagen. (…) Das ist ziemlich gut.“

Gemütliches Beisammensein mit Trump

Ein fescher Besucher aus „dem malerischen Alpenland“, der es sich bei Schneewetter mit dem Präsidenten „vor dem offenen Kamin gemütlich macht“ – so leitete am nächsten Tag die New York Times ihren Bericht über das Treffen ein. Und tatsächlich dürfte so ähnlich das Bild der meisten Amerikaner sein. Staatsbesuche sind in Washington an der Tagesordnung. Dass sie in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, ist normal. Das gilt erst recht, wenn der Gast aus einem kleineren Land kommt.

So berichtete das Wall Street Journal zwar über Trumps neuerliche Drohung mit Autozöllen bei der Begrüßung von Kurz. Über die Begegnung selber aber erfuhr man nichts.

Kurz als „verwandter Geist“ aus Europa

Dafür freilich widmete sich die New York Times in einem Stück mit der Überschrift „Trump fördert einen verwandten Geist von einem Kontinent, den er oft bekämpft“ ausführlicher der Begegnung. Sie hob hervor, dass die Politiker ähnliche Positionen zum Nationalismus und zur Einwanderung hätten und dass es Trump gefalle, Europa zu spalten.

Die Vorstellung, dass Kurz vermitteln könnte, verwarf das Blatt: „Als Führer eines Landes mit weniger als neun Millionen Einwohnern kann Herr Kurz wenig tun, einen transatlantischen Handelskrieg zu verhindern.“ Das Treffen, so das Blatt, habe für Trump wohl eher einen symbolischen Charakter gehabt.