Berlin - Das Verhältnis von Angela Merkel und Horst Seehofer ist gespannt. Aber diese Spannung hat Tradition zwischen CSU und CDU. Schon Franz Josef Strauß ließ vor Jahrzehnten kein gutes Jahr an Helmut Kohl. Er erklärte den CDU-Chef in den 70er Jahren schlicht für unfähig, Kanzler zu werden. Ein Irrtum, wie sich zeigte.

Auch die besondere „Freundschaft“ zwischen Seehofer und Merkel ist länger als ihre Kanzlerschaft. 2004 war der Bayer als Vizechef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückgetreten. Er wollte einen Kompromiss zwischen den beiden Schwesterparteien in der Gesundheitspolitik nicht mittragen. Ihm war darin zu viel von Angela Merkels Vorstellungen einer grundsätzlichen Reform des Krankenversicherungssystems enthalten.

Von der Krise profitiert

Seehofers Karriere wäre danach wohl am Ende gewesen, hätte die CSU sich nach dem Rücktritt Edmund Stoibers nicht in eine tiefe Krise verstrickt. So bekam Seehofer, der auch in seiner Partei zum Außenseiter geworden war, seine Chance – und nutzte sie. Aber dass Angela Merkel ihn beinahe ins politische Aus gebracht hat – das hat sich tief in das Gedächtnis des heutigen CSU-Chefs eingegraben. Immer wieder hat er seither aus dem Off gegen Merkel gestichelt. Und hinterher so getan, als sei nichts gewesen.

Doch so heftig und vor allem auf offener Bühne heftig war es im spannungsreichen Verhältnis zwischen CDU und CSU und zwischen Merkel und Seehofer noch nie – wie auf dem jüngsten CSU-Parteitag in München. Wortreich warb der CSU-Chef für eine „Obergrenze“ für Flüchtlinge in Deutschland – Angela Merkel stand dabei neben ihm auf der Bühne. Nur die beiden allein. Sie hörte schweigend zu, hob nur kurz die Augenbrauen, als er behauptete, sie beide hätten immer eine Lösung gefunden.

Wie werden die Delegierten reagieren?

Merkel ist Teil der Lösung: Der CDU-Parteitag sprach sich für eine Reduzierung der Flüchtlingsaufnahme aus – aber ohne eine nationale Obergrenze. Seehofer wird am Dienstag in Karlsruhe nicht schweigen. Er hat bereits angekündigt, die Begrenzung der Flüchtlingszahlen werde „das zentrale, vielleicht sogar einzige Thema“ seiner Gastrede sein.

Wie werden die Delegierten reagieren, die am Montag ihre Vorsitzenden gefeiert haben. Ein mögliches Vorbild hat die CSU vor Jahren geliefert. Da lasen zahlreiche Mitglieder ihrer Führung einfach Zeitung als die Gastrednerin Angela Merkel sprach.