Berlin - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich am Freitag noch einmal warnend an den Westen gewandt. Er sagt gegenüber CNN, dass „alle Länder der Welt“ auf die Möglichkeit vorbereitet sein sollten, dass der russische Präsident Wladimir Putin in seinem Krieg gegen die Ukraine auch taktische Atomwaffen einsetzen könnte.

Selenskyj sagte, dass Putin entweder Atom- oder Chemiewaffen einsetzen könnte, weil das Leben der Menschen in der Ukraine für ihn nichts wert sei. „Nicht nur ich“, sagte er wörtlich im CNN-Interview, „sondern die ganze Welt muss sich Sorgen machen.“ Selenskyj sprach außerdem über den Untergang des russischen Kriegsschiffes „Moskwa“, die Verluste seines Militärs und den emotionalen Tribut, den der Krieg von ihm und seinem Volk fordern würde.

Der Untergang des Kriegsschiffes sei „keine Tragödie“. Je weniger Waffen die Russische Föderation, die sein Land angegriffen habe, desto besser, so der ukrainische Präsident. Russland hatte deshalb angekündigt, seine Angriffe auszuweiten. Gleichzeitig habe Russland damit gedroht, Marschflugkörper auf die Außenbezirke von Kiew abzufeuern, sagte Selenskyj.

CIA-Direktor Bill Burns sagte am Donnerstag, dass die CIA die Möglichkeit „sehr aufmerksam“ beobachte. Die USA sehen darüber hinaus noch keine Anzeichen dafür, dass Russland sich auf einen atomaren Schritt vorbereiten würde. „Angesichts der Rückschläge, denen Russland bisher militärisch ausgesetzt war, kann keiner von uns die Bedrohung auf die leichte Schulter nehmen, die von einem möglichen Rückgriff auf taktische Atomwaffen ausgeht“, sagte Burns.

Zudem äußerte sich Selenskyj zu den aktuellen Zahlen der Todesopfer. Ukrainische Beamte gehen von 2.500 bis 3.000 getöteten ukrainischen Soldaten aus. Im Vergleich: Russland solle Opferzahlen von 19.000 bis 20.000 Menschen zu beklagen haben. Russland selbst hat bisher 1.351 Todesopfer anerkannt. Selenskyj fügte hinzu, dass etwa 10.000 ukrainische Soldaten verletzt wurden. Es sei schwer zu sagen ist, wie viele überleben werden.

Viel schwieriger einzuschätzen sei die Zahl der zivilen Opfer, sagte er. „Es ist sehr schwierig, über Zivilisten zu sprechen“, sagte Selenskyj, „da wir im Süden unseres Landes nicht wissen, wie viele Menschen in diesem gesperrten Gebiet gestorben sind.“

Auf die erschütternden Videos angesprochen, die diese Woche veröffentlicht wurden und den Tod und die Verwüstung in seinem Land zeigen, sagte Selenskyj: „Es ist ein großer Schmerz für mich.“