Erstmals seit Beginn der großflächigen Invasion Russlands in der Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj den Osten des Landes besucht. Sein Büro veröffentlichte am Sonntag im Messengerdienst Telegram ein Video, das Selenskyj mit einer kugelsicheren Weste in Charkiw und Umgebung zeigte. Am Abend wurde bekannt, dass er den Geheimdienstchef der ostukrainischen Stadt Charkiw entlassen habe.

Selenskyj habe festgestellt, dass dieser sich von Beginn des russischen Angriffskriegs an nicht um die Verteidigung der Stadt gekümmert habe, „sondern nur an sich selbst dachte“, sagte Selenskyj am Sonntagabend in seiner täglichen Videoansprache. Welche Motive dahinter standen, würden nun die Strafverfolgungsbehörden untersuchen.

Der Präsident hatte am Sonntag erstmals seit der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar den Osten seines Landes besucht. Bei seinem Besuch traf er zudem den Gouverneur der Region Charkiw sowie den Bürgermeister der zweitgrößten Stadt des Landes. Der Staatschef kündigte an, „in Charkiw und allen anderen Städten und Dörfern, über die das Böse hereinbrach“, würden die zerstörten Häuser wiederaufgebaut.

In Charkiw und Umgebung seien 2229 Gebäude zerstört worden, sagte der ukrainische Präsident, der sich seit Beginn des Krieges am 24. Februar in der Hauptstadt Kiew aufgehalten hatte. Im Video war zu sehen, wie ukrainische Soldaten dem Präsidenten zerstörte Fahrzeuge am Rande eines Feldweges zeigen.

Beschuss nach Selenskyj-Frontbesuch

Die Stadt Charkiw wurde kurz nach Bekanntwerden von Selenskyjs Frontbesuch beschossen. Dabei sei ein Teil der zweitgrößten Stadt des Landes getroffen worden, sagte Charkiws Bürgermeister, Ihor Terechow, ukrainischen Medien zufolge am Sonntag. Weitere Details nannte er nicht.

„In diesem Krieg versuchen die Besatzer, wenigstens irgendetwas als Ergebnis herauszupressen“, sagte Selenskyj. „Aber sie müssten schon lange begriffen haben, dass wir unser Land bis zum letzten Mann verteidigen werden. Sie haben keine Chance. Wir werden kämpfen und wir werden in jedem Fall siegen.“

Selenskyj traf bei seinem Besuch auch den Gouverneur der Region Charkiw sowie den Bürgermeister der zweitgrößten Stadt der Ukraine und sprach mit ihnen über den Wiederaufbau.

Zu Beginn ihres Angriffskrieges hatten die russischen Streitkräfte Charkiw beinahe täglich bombardiert. Mit der Verlegung russischer Einheiten in andere Regionen im Osten und Süden des Landes kehrte in Charkiw etwas Ruhe ein, auch wenn der Ostteil der Großstadt immer wieder beschossen wird. Derzeit berichten Menschen vor Ort, dass der Beschuss wieder zunehmen würde.