Die turnusmäßige Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses am Donnerstag wird möglicherweise abgesagt.
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BerlinBerlin steuert auf eine politische Situation zu, wie es sie noch nie gab. Den beiden wichtigsten Säulen, Regierung und Parlament, droht die Quarantäne. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), seine Stellvertreter Klaus Lederer (Linke) und Ramona Pop (Grüne) sowie Parlamentspräsident Ralf Wieland (SPD) würden jetzt getestet. Das erfuhr die Berliner Zeitung am Mittwochabend aus der Senatskanzlei. „Der Regierende Bürgermeister bleibt am Donnerstag und Freitag sowie am Wochenende zu Hause“, sagte Senatssprecherin Melanie Reinsch.

Grund ist der positive Corona-Befund des israelischen Botschafters Jeremy Issacharoff. Der 65-Jährige hatte am 9. März im Abgeordnetenhaus an der Enthüllung des Ehrenbürger-Porträts der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer teilgenommen. Bei der Enthüllung waren neben Parlamentspräsident Wieland und Regierungschef   Müller unter anderem auch die   Fraktionschefs Burkard Dregger (CDU), Antje Kapek (beide Grüne) und Raed Saleh (SPD) anwesend.

Inzwischen ist die turnusmäßige Plenarsitzung des Abgeordnetenhaus am Donnerstag abgesagt und gleichzeitig verschoben worden. Parlamentspräsident   Wieland hatte das in einer E-Mail am Mittwoch an Abgeordnete angeregt. Das Präsidium sei in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt, hieß es. Alle Anwesenden beim Botschaftertermin haben inzwischen einen Fragebogen des Amts ausgefüllt.

Quarantäne könnte bis 23. März dauern

Damit droht auch dem Senat Quarantäne. So hat Müller unter anderem die Sitzung am Dienstag dieser Woche geleitet, bei der es um weitere Maßnahmen ging, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Rein rechnerisch könnte die Quarantäne bis zum nächsten Montag, dem 23. März, dauern. Das wären 14 Tage nach dem Auftritt des Botschafters.

Nach Worten Antje Kapeks habe man sich die Absage der Parlamentssitzung nicht leicht gemacht, weil man keine Panik verbreiten wolle. Man wolle den Termin schnellstmöglich nachholen. Am kommenden Montag solle der Ältestenrat zusammenkommen.

Ob letztlich alle Teilnehmer der Porträt-Enthüllung und auch Mitglieder des Senats in Quarantäne müssten, müssen jetzt die Amtsärzte entscheiden. „Ich habe jedenfalls keine Symptome“, sagte Antje Kapek der Berliner Zeitung. Bisher habe sie sich nicht testen lassen und warte auf Anweisungen der Amtsärzte.