Petra Kahlfeldt, die neue Senatsbaudirektorin, ist eine erfahrene, debattenfeste Architektin. Das von der 63-Jährigen und ihrem Mann Paul Kahlfeldt geleitete Büro ist seit drei Jahrzehnten fest im Berliner Baugeschehen etabliert, also seit den Zeiten des Senatsbaudirektors Hans Stimmann. Sie werden von Berliner Traditionalisten inzwischen als Epoche verklärt, in der Investoren zitterten und straffe stadtästhetische Regeln galten.

Aber jetzt sind die Zinsen bei Null, der Baumarkt so überheizt, dass viele Projekte auf Eis gelegt werden, und die staatlichen Landreserven wurden weitgehend verkauft oder bebaut. Kahlfeldt fehlen also Stimmanns wesentliche Druckelemente. Dennoch soll sie bei der hoffentlich kommenden Bauwelle dafür sorgen, dass auch planerische Qualität die Quantität bestimmt. Sie muss außerdem Berlins Macht wiederherstellen, damit der Bund nicht wieder Skandalprojekte wie das Museum des 20. Jahrhunderts und die Investoren nicht weiter banalste Baumasse-Entwürfe durchsetzen können. Und sie muss für frische Luft in den Architekturdebatten sorgen.

Dabei gehört Kahlfeldt durchaus zu dem, was die einen wohlwollend als neue Berliner Schule bezeichnen, die anderen als abgeschlossenes Berliner System. Viele kluge Ideen ihrer Vorgängerin Regula Lüscher sind an dieser informellen Koalition aus Besitzstandswahrern in allen Parteien, konservativen Architekten, geizigen Investoren und sturer Bauverwaltung gescheitert. Aber Berlin muss sich weiter in der eisenharten Konkurrenz der Städte behaupten, muss seine Klimaverpflichtungen erfüllen, muss dabei Ansässige und Neubürger mitnehmen.

Gutsituiert-bürgerliche Architekturästhetik a la Kahlfeldt & Kahlfeldt wird diese Zukunft nicht bewältigen können. Viel eher als Reform-Traditionalismus sind der Anschluss an den lange verachteten West-Berliner Ökologischen Stadtumbau und die Behutsame Stadtentwicklung der 1980er-Jahre nötig. Also, Frau Kahlfeldt: Wann werden die grüne Hofwand, der Holzbau, das Solardach von der Ausnahme zur Berliner Baunorm?