Washington - Eigentlich wollte das Weiße Haus die peinliche Affäre um Sex-Partys von Leibwächtern des Präsidenten möglichst geräuschlos beenden. Doch die geschassten Bodyguards lassen das nicht zu. Vier von ihnen wollen ihre Entlassungen nicht stillschweigend hinnehmen. Sie würden zu Sündenböcken für ein Verhalten gemacht, das der Secret Service lange Zeit toleriert habe, argumentieren sie.

Die vier Männer wollen vor Gericht ihre Wiedereinstellung erstreiten, wie die "Washington Post" berichtet. Die Strafe sei im Vergleich zu den Vergehen, die ihnen vorgeworfen würden, überzogen.

Anders als in den Medien anfänglich dargestellt, seien die Männer nicht gemeinsam auf der Suche nach Prostituierten losgezogen. Stattdessen seien die Agenten zu verschiedenen Bars und Clubs gegangen und hätten Frauen unter ganz unterschiedlichen Umständen getroffen. In einigen Fällen sei kein Geld für Sex bezahlt worden.

One-Night-Stands werden geduldet

Agenten und Ex-Leibwächter sagten Ermittlungskreisen zufolge aus, dass sexuelle Kontakte während Dienstreisen unter einem ungeschriebenen Kodex geduldet worden seien - getreu der Redewendung: Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas. Dies sei Teil des „Secret Circus“, wie einige Agenten den dienstlichen Aufenthalt einer großen Gruppe von ihnen in einer Stadt spöttisch nennen.

Zwar warnte der Secret Service seine Agenten in Ausbildungsseminaren, dass außereheliche Affären sie zu leichtem Ziel für Erpressungsversuche machten. Doch viele verheiratete Geheimdienstmitarbeiter galten Untersuchungskreisen zufolge als notorische Fremdgänger. Diese Woche hieß es in einem Rundschreiben der Behörde an die Mitarbeiter: „Bringen Sie sich im Privat- oder Berufsleben nicht in eine Situation, die Sie, Ihre Familie oder den Sercret Service in Verlegenheit stürzt.“

Eigentlich hatten die Leibwächter beim Amerika-Gipfel im April im kolumbianischen Cartagena nur Barack Obama schützen sollen. Stattdessen wurde gegen zwölf von ihnen wegen Kontakten zu Prostituierten Ermittlungen eingeleitet. Drei wurden inzwischen von Vorwürfen des schweren Fehlverhaltens freigesprochen, sechs wurden entlassen, zwei weitere zur Kündigung gedrängt. Das Schicksal eines Agenten ist noch ungeklärt. (dapd/erb)