Berlin/Frankfurt am Main - Da stand er auf der Bühne der Berliner Messehallen, ein wenig hibbelig, ein wenig aufgedreht, ein Enddreißiger in Werbeagentur-Optik: Glatze, kantige Brille, gut geschnittener Anzug. Er zitierte Goethe und die „Star Wars“-Figur Yoda. Es war ein CDU-Parteitag, das Publikum die Delegierten. Und Peter Tauber, der Mann auf der Bühne, warb für eine CDU, die „jünger, weiblicher, bunter“ werden solle. Er war bis dahin Hinterbänkler im Bundestag, sprach ein weiches Hessisch und beendete seine Rede mit „Für unser deutsches Vaterland und für Europa, unsere Zukunft. Hurra!“.

Hurra. Sowas hört man nicht gerade oft auf Parteitagen, weder bei der CDU noch bei anderen. Es funktionierte. Die Delegierten stimmten mit 97 Prozent für den Neuen. Sie stimmten für Peter Tauber, der künftig als Generalsekretär nicht nur die Wahlkampforganisation verantworten sollte, sondern auch das öffentliche Gesicht der CDU sein würde.

Nur noch wenig Anlass für „Hurra“

Das ist gut zwei Jahre her, Taubers Hauptaufgabe, der nächste Bundestagswahlkampf, rückt näher. Und ausgerechnet in dem Jahr davor ist für „Hurra“ bei der CDU wenig Anlass. Vier verlorene Landtagswahlen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Der einzige Wahlsieg, der in Sachsen-Anhalt, vergällt durch den Aufstieg der AfD.

Überhaupt, die AfD: Eine neue Konkurrenz von rechts hat sich etabliert, deutlich über Splitterpartei-Niveau. Die CSU ist bereits in Panik verfallen, aus Bayern also sinkende Umfragewerte für Angela Merkel. Nicht so schön, wenn man in solch einer Lage der oberste Wahlkampfbeauftragte der CDU ist. Und nun kommt bei Tauber auch noch persönlicher Ärger dazu, zu Hause in Hessen, im Südosten des Landes, in der kleinen Stadt Gelnhausen, und der könnte Merkels Mann zum Straucheln bringen.

Anleitung zum Mobbing

Der Ursprung eines Teils des Ärgers liegt weit zurück, über zehn Jahre. Es geht dabei in die Tiefen der Parteiarbeit. Tauber war Anfang 30 und Vorsitzender der Jungen Union Hessen. In seinem Kreisverband gab es Ärger zwischen der Kreisgeschäftsführerin, Anne Höhne-Weigl, und dem neuen Kreisvorsitzenden, Tom Zeller. Zeller sagt heute: „Die Chemie hat nicht so gepasst.“

Das passiert. Aber es gibt auch ein anonymes Schreiben, vier Seiten lang, das von mehr als nicht passender Chemie zeugt. Es liest sich wie eine Anleitung zum Mobbing. Das Schreiben trägt kein Datum und keine Unterschrift und entwirft Szenarien, wie Höhne-Weigl aus dem Job zu drängen ist. „Operation Kaninchenjagd“ steht darüber und das Kaninchen, so scheint es, war Höhne-Weigl gemeint. Es wird ein „Gespräch mit dem Kaninchen“ vorgeschlagen, von „Druck auf das Kaninchen“ ist die Rede. Zur Sitzordnung des geplanten Gesprächs heißt es: „Scherbengericht plus einem, der ihr zugeordnet ist als Vertrauensperson“. Diese Person solle ihr später raten, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben.

Das Schreiben ist an Zeller adressiert, und der erwidert auf die Frage, wer es verfasst habe: „Der Sebastian und der Peter.“ Der Peter ist Peter Tauber, Sebastian Zimmer war  zwischenzeitlich, von 2007 bis 2009, Landesgeschäftsführer der Jungen Union.