Jeans und Musik als Freiheitsgefühl: Israels Premierminister versuchte in einem Interview am Sonntag, junge Iraner für sich zu gewinnen. Im persischen Programm der BBC sagte Benjamin Netanjahu: „Ich denke, wenn es nach dem Willen der iranischen Bevölkerung gehen würde, würden sie Blue Jeans tragen, westliche Musik hören und frei wählen.“ Die jungen Iraner reagierten mit Spott auf den Vergleich des israelischen Staatschefs.

Unter dem Hashtag #iranjeans schickten sie Netanjahu via Twitter und Mail Fotos von ihren Jeanshosen. „Hier sind meine Jeans und meine westliche Musik, du Idiot“ postete User Sallar, „Ich trage Jeans in Iran, wie viele andere Menschen auf der ganzen Welt. Bitte öffne deine Augen und schau“ schrieb Nutzer Ashkan Korshidi. Sowohl Männer als auch Frauen in Iran tragen Jeans, es gibt keine Vorschriften, die das verbieten. Ebenso haben die jungen Iraner Möglichkeiten gefunden, westliche Musik zu hören – obwohl sie offiziell nicht erlaubt ist.

Interview ohne Wirkung

In dem BBC-Interview sprach Netanjahu auch von den Protesten 2009 gegen die Wiederwahl des damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Zahlreiche Iraner wurden dabei getötet – auch eine junge Frau namens Neda Agha-Soltan. Sie wurde zur Symbolfigur der Demonstrationen. Ihr Tod ist auf einem Video festgehalten. Netanjahu sagte, dass er sie an ihrem Blut ersticken sah. Diese emotionalen Aussage wirkte nicht nach. Die Twitterer posteten ein Bild der toten jungen Frau, weil sie in Jeanshosen zu sehen ist.

Das Interview war das erste von Netanjahu in einem persisch-sprachigen Medium. Seine Hauptthema war eigentlich das iranische Urananreicherungsprogramm. Er forderte dessen Ende, da solch ein Programm nur für den Bau von Atomwaffen gebraucht werde. Der israelische Staatschef betonte seinen Willen zu einer diplomatischen Lösung - aber einer „richtigen Lösung, keiner erfundenen.“

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