Die großen Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld brachten die große weite Welt, das Mondäne und Komische in die westdeutschen Fernsehstuben. Die ARD-Quizsendung „Einer wird gewinnen“ und die ZDF-Spielshow „Vergissmeinnicht“ (beide ab 1964) gehören heute zu den unerreichten und immer noch stilbildenden Klassikern der bundesrepublikanischen Fernsehunterhaltung.

Doch in die Ruhmeshalle der televisionären Zerstreuung gehört noch ein anderes Format: die Schunkel- und Frohsinnsause „Zum Blauen Bock“ – denn mit ihr zog das Regionale ins Fernsehen ein. Und der unvergleichliche Heinz Schenk, ein dampfplaudernder und schlitzohriger, dabei immer herzensguter und urgemütlicher Typ…

Die Kulisse vom „Blauen Bock“ war einer typischen Apfelwein-Wirtschaft in Frankfurt-Sachsenhausen nachempfunden. Man sprach nur notdürftig verhochdeutschtes Hessisch, serviert wurde der lokale Standardtrunk Ebbelwei oder, je nach Aussprache, Äppelwoi. Er strömte aus den nie versiegenden Bembeln (dickbauchigen, blau-grauen Krügen) in die Gerippten (Gläser). Und mittendrin fuhrwerkte Heinz Schenk herum. Als Moderator schauspielerte er einen feinen Oberkellner, dem mal ein Missgeschick passierte, der ansonsten gerne sang – auch nachdenkliche, traurige Balladen – und den Laden mit seiner wurstig-fuchteligen Art zusammenhielt. An seiner Seite stand die grandiose Schauspielerin Lia Wöhr als Wirtin.

Schenk brauchte weder Gagschreiber noch Teleprompter. Der „Ebbelwoi-Babbler“ erweckte stets den Anschein, als würde er improvisieren, er war schlagfertig, wie eine Hüpfkugel der guten Laune sprang er durchs Programm. Spontaneität lautete sein Konzept. Was den Perfektionisten allerdings nicht davon abhielt, seine Show minutiös vorzubereiten. Er lieferte die Ideen und Texte für die Sendung, er schrieb die meisten seiner Lieder selbst. Er war das Mastermind des „Blauen Bocks“, und der Oberkellner die Paraderolle seines Lebens. Zu den Ungerechtigkeiten gehört, dass Schenk immer etwas im Schatten der großen Kulenkampffs und Frankenfelds stand. Dabei zählte er selbst zu den – hier sei das Wort einmal erlaubt – Titanen der Unterhaltung.

Beichtstuhl zum Kasperletheater umfunktioniert

Alle drei Showmaster haben übrigens ihre ersten Fernsehmeriten beim Hessischen Rundfunk erworben – da war der Sender noch Unterhaltungs-Avantgarde. Schenk wurde ganz in dessen Nähe geboren, er kam am 11. Dezember 1924 in Mainz als Sohn eines Drogisten und einer Tänzerin zur Welt. Sein Frohsinn zeigte sich recht früh. Schon als Kind funktionierte er den Beichtstuhl im Dom zum Kasperletheater um. Mit kaum zehn Jahren stand Schenk bereits in der Bütt, ausgerechnet beim Mainzer Frauenchor-Karneval – Schenk hatte seine Bestimmung gefunden.

Nach der Lehre in der Teppich- und Gardinen-Abteilung eines Wiesbadener Kaufhauses und einigen Jahren Schauspielunterricht versuchte Schenk, da war der Krieg gerade vorbei, beim Radio unterzukommen. Mit Kulenkampff und Frankenfeld trat er in der komödiantischen Frühsendung „Frankfurter Wekker“ auf, bis er 1965 den „Blauen Bock“ übernahm. Erst 1987 verabschiedete sich das „Schlappmaul“ von der Sendung – mit der Traumquote von knapp 16 Millionen Zuschauern. Schenk widmete sich wieder verstärkt der Bühne.

Der oft unterschätzte Schauspieler gehörte zu den Stützen am Frankfurter Volkstheater. Und er zeigte ein großes Maß an Experimentierlust und Selbstironie: 1992 trat Schenk in Hape Kerkelings Film „Kein Pardon“ auf – als alternder Showmaster, der säftelnd und autoritär seinen Assistentinnen nachstellt. Das hat vor und nach ihm keiner seiner Kollegen gewagt. Am frühen Donnerstagmorgen ist Schenk nun im Alter von 89 Jahren in seinem Wohnort Wiesbaden an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Ein knappes halbes Jahr nach dem Tod seiner „großen Liebe“ – Ehefrau Gerti, mit der Schenk seit 1951 verheiratet war.