BerlinKulturstaatsministerin Monika Grütters ist mit den Sicherheitsvorkehrungen in deutschen Museen sehr unzufrieden. Das sagte sie auf einer von ihr initiierten digitalen Sicherheitstagung Ende September. „Ganz offensichtlich gilt der Diebstahl von Kulturgütern nicht nur als einträglich, sondern leider auch als relativ einfach. Das muss sich ändern“, forderte die Kulturstaatsministerin. Allein am 30. Januar 2020 wurden zwei Glocken aus einem Lübecker Kirchturm und ein historischer Armeehelm aus einem Thüringer Museum geklaut, wie Grütters aufzählte.

Einen Konsens, wie Museen gesichert werden müssen, gibt es jedoch nicht. Bewaffnetes Sicherheitspersonal ist in deutschen Museen nicht vorgesehen. Der Chef des Deutschen Museumsbundes, Eckard Köhne, lehnt Waffen ab, weil er befürchtet, dass sie nicht nur getragen, sondern auch benutzt werden könnten.

Carsten Pfohl, Dezernatsleiter Qualifizierte Eigentumsdelikte im Landeskriminalamt Berlin, rät den Museen zum Einsatz eigenen Personals und unsichtbarer Kameras, weil sichtbare Kameras nach seiner Erfahrung von Dieben einfach abgedeckt werden. Die Kameras könnten zwar selten einen Einbruch verhindern, doch ihre Bilder würden es der Polizei leichter machen, die Täter zu identifizieren. Viele Museen setzen jedoch auf sichtbare Kameras, um möglichen Dieben zu zeigen, dass sie gesehen werden, wie Karola Richter, Sicherheitsverantwortliche des Landesmuseums Württemberg in Stuttgart, berichtet.

Pro Jahr weltweit acht Milliarden Dollar Schaden

Dass es in Zukunft mehr eigenes und weniger externes Sicherheitspersonal in den Museen geben wird, sei angesichts der finanziellen Lage der Museen nicht zu erwarten, sagte Museumsbundchef Köhne. Auch die Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz müssten die Aufträge für externe Sicherheitsfirmen europaweit ausschreiben und das günstigste Angebot akzeptieren, erklärte Stiftungspräsident Hermann Parzinger.

Kunstdiebstahl ist kein deutsches Problem. Nach Schätzungen des FBI liegt das jährliche Volumen der weltweiten Kunstkriminalität bei sechs bis acht Milliarden Dollar. Deshalb sei es interessant zu vergleichen, wie andere Museen sich absichern, sagte Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. „In osteuropäischen Ländern setzt man mehr auf Schutz durch Personal, je mehr man nach Westen schaut, desto wichtiger sind elektronisch-technische Vorkehrungen“, erzählte Ackermann. Die Tretjakow-Galerie in Moskau, das Metropolitan Museum in New York und das Rijksmuseum in Amsterdam setzen, wie Ackermann berichtete, ausschließlich auf eigenes Personal. In Dresden sollen die Museen weiterhin von eigenem Aufsichtspersonal und vom Personal externer Firmen bewacht werden. Ständig verbessert würden technische Schutzmaßnahmen, so Ackermann. Über Details sprechen die Museen – aus Sicherheitsgründen – nicht. Auch wenn neue Technik das Eindringen von Dieben nicht zu 100 Prozent verhindert, so kann doch die „Widerstandszeit“ verlängert werden. Im Grünen Gewölbe sei es nur um Sekunden gegangen und der Raub wäre verhindert worden, sagte Marion Ackermann.

Genaue Zahlen über Museumseinbrüche in den vergangenen Jahren konnte der Berliner Dezernatsleiter Carsten Pfohl zwar nicht präsentieren. Fest stehe aber, dass die Zahl der „Versuchstaten“ gestiegen sei. Das bedeutet: Viele Museen sind so gut geschützt, dass es immer weniger Diebe schaffen, in ein Museum einzudringen.