Berlin - Seit nunmehr einem Monat führt Donald Trump, der neue Herr im Weißen Haus, ein surreales Theater auf. Den Europäern ist angst und bange: Ein US-Präsident, der den Rechtsstaat verachtet, die Nato in launischen Momenten als überflüssig bezeichnet und internationale Abkommen per Federstrich aufkündigt, kann nicht Anführer der westlichen Welt sein.

Trotzdem haben die Europäer nach den vergangenen Tagen Anlass, etwas optimistischer in die Zukunft zu blicken. Mit Vizepräsident Mike Pence sowie den Ministern Rex Tillerson (Außen) und James Mattis (Verteidigung) haben gerade drei Schwergewichte der US-Regierung den Alten Kontinent besucht. Ihre Botschaft lautete: Amerika wird weiterhin fest an der Seite seiner Verbündeten stehen.

Beruhigend ist das vor allem deshalb, weil die Europäer jetzt sicher sein können, dass es auch in der neuen US-Regierung überzeugte Transatlantiker gibt. Sie sind zwar harte Hunde und stockkonservativ. Aber man wird mit ihnen aller Voraussicht nach vernünftig reden und arbeiten können. Das ist schon einmal eine ganze Menge angesichts der verstörenden Darbietung des Präsidenten.

Europäer müssen Verteidigungsbudget erhöhen 

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass außenpolitische Äußerungen der Trump-Regierung im Zweifel so beständig sind wie frisches Hackfleisch bei Zimmertemperatur: Das kann bekanntlich auch rasch umkippen. Wenn der Präsident demnächst wieder in ein Mikrofon pöbelt oder per Twitter seinen Hass in die Welt hinausbrüllt, sind die Treueschwüre seiner Minister womöglich Makulatur.

Die Amerikaner verbinden das Bekenntnis zum Nordatlantik-Pakt mit der Forderung, dass die Europäer ihre Verteidigungsbudgets deutlich erhöhen müssten. Das kommt für die hiesigen Nato-Mitglieder wenig überraschend: Sie hatten schon vor der US-Wahl damit gerechnet, dass der Sieger größere Anstrengungen der Partner verlangen wird. Das Gleiche hatte übrigens auch schon die Obama-Regierung getan. Trumps Leute sind nur lauter.

Das Drängen der Amerikaner könnte in den kommenden Jahren zu einer grundlegenden Neuorientierung der europäischen Sicherheitspolitik führen und begonnene Reformprozesse beschleunigen. Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte man vielerorts geglaubt, fortan dauerhaft von der „Friedensdividende“ zehren zu können: Wenig Geld fürs Militär heißt mehr Geld für Investitionen und Soziales.