Der Mordanschlag in Paris belastet die erste Runde der Präsidentenwahl am Sonntag erheblich. Frankreichs Staatschef François Hollande kündigte für Freitagmorgen ein Treffen des Sicherheitskabinetts an.

„Wir werden absolute Wachsamkeit zeigen, insbesondere im Hinblick auf den Wahlprozess“, sagte er. Die Sicherheitsmaßnahmen für den Wahlkampf wurden verstärkt.

Merkel kondoliert

Kanzlerin Angela Merkel kondolierte Präsident Hollande, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter mit. Ihr Mitgefühl gelte den Opfern und ihren Familien. Auch US-Präsident Donald Trump sprach Frankreich sein Beileid aus. 

Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Der Islamische Staat (IS) hat sich noch am Donnerstagabend zur Tat bekannt. In Frankreich gilt nach einer beispiellosen Terrorserie mit über 230 Toten immer noch der Ausnahmezustand.

Französische Sicherheitskräfte wurden bereits mehrfach attackiert. Vor einem Monat erschossen Soldaten am Pariser Flughafen Orly einen Mann, der sie zuvor angegriffen hatte. Auch hatte die französische Polizei erst am Dienstag in Marseille zwei mutmaßliche Islamisten festgenommen, in deren Wohnung ein Waffenarsenal versteckt war.

Kandidaten sagen Auftritte ab

Mehrere Kandidaten sagten laut Medienberichten am Freitag geplante Auftritte ab. Auch der sozialliberale Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat seine letzten Kundgebungen vor dem ersten Wahlgang abgesagt. Er habe entschieden, die für Freitag geplanten Auftritte in Rouen und Arras im Norden des Landes mit Blick auf die Situation zu streichen, teilte Macron mit.

Die Terroristen wollten die Demokratie stören, „sie wollen dass die Franzosen der Unvernunft nachgeben und sich spalten“, erklärte der Ex-Wirtschaftsminister. „Wir müssen dem im Gegenteil Ruhe und Entschlossenheit entgegenstellen.“ Der demokratische Prozess müsse garantiert werden. Deshalb sollten die Anhänger seiner Bewegung „En Marche!“ ihre Wahlkampfaktivitäten auch fortsetzen.

Der Wahlkampf endet offiziell in der Nacht zum Samstag. Macron gilt als einer der Favoriten für den Einzug in die Stichwahl am 7. Mai. Die Abstimmung soll von mehr als 50.000 Polizisten und Soldaten geschützt werden.

Macron und Le Pen liegen gleich auf

Die Lage vor der für ganz Europa wichtigen Wahl ist unübersichtlich. Die entscheidende Stichwahl ist für den 7. Mai geplant. In Umfragen liegen der sozialliberale Kandidat Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen an der Spitze. Macron tritt für Europa ein, Le Pen will hingegen den Euro in Frankreich abschaffen. Sie plädiert auch dafür, verurteilte ausländische Verbrecher auszuweisen. Offen ist laut politischen Beobachtern, ob die Hardlinerin von der Attacke auf die Polizisten politischen Nutzen ziehen kann. Zuletzt waren ihre Umfragewerte gesunken.