New York/Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Aktivistin Greta Thunberg einen bewegenden Auftritt vor den Vereinten Nationen bescheinigt - ihr aber zugleich vorgehalten, wichtige Entwicklungen nicht ausreichend gewürdigt zu haben. Thunberg habe eine aufrüttelnde Rede gehalten, sagte Merkel am Rande der UN-Generalversammlung am Dienstag in New York. Es sei aber nicht ausreichend zum Ausdruck gekommen, „in welcher Weise Technologie, Innovation gerade im Energiebereich, aber auch im Energieeinsparbereich uns Möglichkeiten eröffnen, die Ziele zu erreichen“.

Die Bundesregierung wolle solche Möglichkeiten nutzen. Sie selbst messe Innovation und Technologie eine sehr große Bedeutung bei, sagte die Kanzlerin. „Und das ist ein Widerspruch zu dem, was ich da gestern gehört habe.“

„Wir werden sehr sorgsam überprüfen, ob wir unsere Ziele erreichen können“

Auf die Frage, ob sie sich die Vorwürfe Thunbergs zu Herzen genommen habe, sagte Merkel: „Jeder aufmerksame Mensch hört zu und fühlt sich damit auch angesprochen. Das ist selbstverständlich.“ Dennoch habe sie „mit Überzeugung auch unser Vorgehen deutlich gemacht“ - sowohl, was die internationale Verantwortung angehe als auch, was das nationale deutsche Klimaprogramm betreffe.

„Wir werden sehr sorgsam überprüfen, ob wir unsere Ziele erreichen können.“ Wenn man sie nicht erreiche, müsse nachgeschärft werden. „Aber mit der Erreichung dieser Ziele leisten wir einen Beitrag zur Umsetzung des Pariser Abkommens.“

Friedrich Merz kritisiert Gretas Eltern

Derweil hat Friedrich Merz deutliche Kritik an der Klimapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel geübt. „Frau Merkel hat gesagt, Politik besteht aus dem, was möglich ist und da widerspreche ich ernsthaft“, sagte Merz der „Augsburger Allgemeinen“ (Mittwoch). „Man muss in der Politik etwas möglich machen und etwas möglich machen wollen“, betonte Merz. Ohne eine entsprechende Führung könne man sonst die Politik, den Umfrageinstituten überlassen.

Der ehemalige Unionsfraktionschef lässt auch kein gutes Wort an Thunberg. „Also ganz ehrlich, meine Tochter hätte ich da nicht hingelassen. Auf der einen Seite ist das Mädchen bewundernswert, aber auf der anderen Seite ist sie krank“, sagte er in einem Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“.

Greta Thunberg macht Regierungschefs schwere Vorwürfe

Die Schwedin Thunberg hatte den Staats- und Regierungschefs bei der Eröffnung des UN-Klimagipfels am Montag schwere Vorwürfe gemacht. „Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?“, sagte sie.

Die wissenschaftlichen Vorhersagen zum Klimawandel seien seit Jahrzehnten mehr als deutlich. „Wie könnt Ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weiter macht wie vorher - und mit ein paar technischen Lösungsansätzen?“ (mbr/dpa)