Washington - Ein Gesundbeter möchte er nicht sein. Und ein Fan von US-Präsident Donald Trump ist er auch nicht. Aber bei seiner zweiten US-Reise seit dem Amtsantritt der neuen Regierung ist Außenminister Sigmar Gabriel ungewohnt zurückhaltend-diplomatisch aufgetreten. Immerhin überschlugen sich während des Washington-Besuchs des SPD-Politikers die Meldungen über immer neue Affären Trumps, und Spekulationen über eine Amtsenthebung machten die Runde. Gabriel vermied offene Kritik und betonte stattdessen die Bedeutung der transatlantischen Partnerschaft. Er habe bei seinen Gesprächen deutlich gemacht, „dass wir eine stabile amerikanische Regierung brauchen“, sagte er zum Abschluss.

Gabriel versucht zu entdramatisieren

Erste Station Gabriels war das Außenministerium, wo ein Gespräch mit Amtschef Rex Tillerson deutlich länger als erwartet dauerte. Der pressescheue Tillerson wehrte zu Beginn Reporterfragen nach dem Trump-Gespräch mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow, an dem er selber teilgenommen hatte, ab. Zum Pressestatement nach der Begegnung erschien Gabriel allein. Ein Gespräch mit Finanzminister Steven Mnuchin hinterließ bei Teilnehmern keinen bleibenden Eindruck. Am Donnerstagmorgen kam Gabriel noch mit dem Nationalen Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster zusammen.

Gabriel war sichtlich bemüht, die Affäre um die Weitergabe von israelischen Geheimdienstinformationen an die Russen durch Trump zu entdramatisieren. Ein weiterer enger Kontakt der Geheimdienste der USA und Deutschlands sei „absolut notwendig für unsere Sicherheit“, sagte der SPD-Politiker. Er erinnerte an den Konflikt wegen der Ausspähung des Handys von Bundeskanzlerin Angela Merkel durch den US-Geheimdienst NSA. Seither sei „sehr viel dafür getan“ worden, das gegenseitige Vertrauen wiederherzustellen.

Im Gespräch mit Tillerson

Im Streit mit der Türkei über das Besuchsverbot auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik setzt Gabriel auf die Hilfe der USA. „Ich glaube, dass die Amerikaner ihre Möglichkeiten nutzen werden, mit der türkischen Seite darüber zu sprechen, dass wir ein anderes Verhältnis haben müssen“, sagte er nach dem Treffen mit Tillerson.  Man habe „ein ausgesprochen gutes Gespräch“ gehabt. Bei der Begegnung ging es auch um die Ukraine und den Syrien-Konflikt ging. Gabriel hatte schon vorher durchblicken lassen, dass er den Raketenangriff der USA auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt nach dem Giftgaseinsatz der syrischen Regierung für nachvollziehbar hält.

Trotz unterschiedlicher Positionen in der Iran-Politik und beim Klimaschutz sowie eines schwelenden Konflikts über die Höhe der Verteidigungsausgaben will Gabriel den Gesprächsfaden über den Atlantik nicht abreißen lassen. Er setzt dabei auf leise Töne und kleine Zeichen. So fuhr er nach dem Tillerson-Termin zur Washington Post, um dort ein Interview zu geben. Die Zeitung wird von Präsident Trump angefeindet. Am Donnerstag hielt er am Center for Strategic and International Studies eine Rede über die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen.  Anschließend reiste er weiter in die ehemalige Stahlmetropole Pittsburgh, wo – im Unterschied zu vielen anderen Regionen Amerikas – der Strukturwandel gelungen zu sein scheint.