Berlin - In Schleswig-Holsteins SPD waren am Dienstag nicht alle begeistert. Simone Lange sei „ein bisschen auf Anti-Stimmung“, hieß es da – nach dem Motto: „Wir da unten, Ihr da oben.“ Ja, die 41-Jährige versuche sich „auf der Populisten-Schiene“ und wolle aus dem flatterhaften Zustand der SPD Kapital schlagen. Wie auch immer: Lange, Oberbürgermeisterin der 94.000-Einwohner-Stadt Flensburg an der deutsch-dänischen Grenze, hat am Dienstag ihren Hut in den Ring geworfen. Sie will SPD-Vorsitzende werden und dabei SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles herausfordern, die das Amt mutmaßlich übernehmen wird. Ganz überraschend kommt das für Leute, die Langes Potenzial kennen, nicht.

Verheiratete Mutter von zwei Kindern

Die verheiratete Mutter von zwei Kindern kommt eigentlich aus Thüringen. Sie wurde in Rudolstadt geboren und wuchs dort auch auf. 1995 machte Lange Abitur und absolvierte anschließend an der Verwaltungsschule Schleswig-Holstein ein Studium im Fachbereich Polizei. Später arbeitete sie 13 Jahre lang als Kriminalpolizistin und begann 2008 ihre politische Karriere in der Flensburger Ratsversammlung. 2012 setzte sich Lange bei der Landtagswahl gegen die CDU-Konkurrentin durch, die das Mandat zuvor direkt errungen hatte. Im Januar 2017 stieg sie mit Unterstützung von SPD, CDU und Grünen zur Oberbürgermeisterin auf. Das alles lässt schon mal auf viel Geschick schließen.

Selbstbewusstsein und Ehrgeiz treten hinzu. Das Amt der Bundesvorsitzenden sei für die SPD und das Land zu bedeutsam, um „von einer kleinen Gruppe intern“ und ohne „offene Diskussion“ festgelegt zu werden, steht in Langes Bewerbungsschreiben. Diese Methode sei fatal. „Sie wird nur das Ohnmachtsgefühl vieler bestätigen.“ Lange wirbt deshalb dafür, die Entscheidung über die Nachfolge des scheidenden Vorsitzenden Martin Schulz der Basis zu überlassen – in Form einer Mitgliederbefragung. Sie selbst fühle sich „berufen, in der SPD eine führende Rolle zu spielen“.

Nur Außenseiterchancen für Lange

Wenngleich dort derzeit alles möglich scheint, dürfte Lange wohl nur Außenseiterchancen haben. Aber vielleicht ist der Vorsitz auch gar nicht das Ziel. Denn Lange gilt als mögliche Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl 2022 und als potenzielle Nachfolgerin des SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner. Da kann es nicht schaden, sich vorher über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus bekannt zu machen. Als die Genossen im nördlichsten Bundesland im November auf einem Parteitag über Wege aus der aktuellen Krise berieten, meldete sie sich bereits ebenfalls zu Wort. Die SPD müsse sich neuen Ideen öffnen und überlegen, mit wem sie das „personell und inhaltlich“ durchsetzen könne, wurde Lange danach zitiert.

Hört man sich außerhalb der SPD in Schleswig-Holstein um, fällt das Urteil sehr positiv aus. Lange sei „lebenslustig, direkt und mutig“, sagen Kenner der Szene. Sie nehme kein Blatt vor den Mund und könne authentische Reden halten. Kurz, sie sei eine „coole Frau“ mit einem „feinen Gespür“. So gesehen, könnte das Duell spannender werden, als es auf den ersten Blick scheint.