Skandal!: Berliner Verfassungsschutz-Mann schickte Kinder an die IS-Front

Berlin - Ein V-Mann des Berliner Verfassungsschutzes soll einen Jugendlichen dabei unterstützt haben, sich in Syrien der Terrormiliz IS anzuschließen. Das geht aus Unterlagen hervor, die dieser Zeitung vorliegen.

Laut einem Behördenzeugnis des Berliner Verfassungsschutzes war der aus Aserbaidschan stammende 28-jährige Emanuel P. vom 21. Mai 2013 bis 17. September 2015 V-Mann. In dieser Zeit kaufte er dem damals 16-jährigen Mahmoud S. ein Flugticket nach Istanbul. Am Hermannplatz tauschte der V-Mann für den 16-Jährigen Euro in etwa 400 türkische Lira um. Dies alles wäre einem Minderjährigen nicht möglich.

„Hidjra machen“

Am Ausreisetag im August 2015 versuchte Emanuel P. über einen Chat-Partner vergeblich ein Quartier für einen zwischenzeitlichen Aufenthalt von Mahmoud S. in der Türkei zu beschaffen. Dabei wies er ausdrücklich darauf hin, dass dieser „Hidjra machen“, also am Kampf teilnehmen wolle. Auf dem Landweg reiste Mahmoud S., der ohne Wissen seines Vaters unterwegs war, von Istanbul zur syrischen Grenze. Türkische Sicherheitskräfte nahmen ihn und weitere Kampfwillige fest und schoben ihn nach Deutschland ab.

Der Verfassungsschutz schaltete Emanuel P. als V-Mann ab, nachdem dessen Verstrickung in die Ausreise bekanntwurde. Gegen den 28-Jährigen hat inzwischen der Prozess vor dem Berliner Landgericht begonnen, wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Ein Jahr lang von Islamisten indoktriniert

Nach Angaben des ZDF-Magazins Frontal 21 wurde der 16-Jährige von Islamisten rekrutiert, die aus dem direkten Umfeld des Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri stammen. Ein Jahr lang hätten sie ihn indoktriniert. Auch der V-Mann soll sich in Amris Umfeld bewegt haben.

„Eine Vertrauensperson, gegen die der begründete und konkrete Verdacht besteht, mindestens eine minderjährige Person radikalisiert und zur Ausreise in das Kampfgebiet bewegt zu haben, ist ein einmaliger, skandalöser Vorgang, der dringend weiter aufgeklärt werden muss“, sagt der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux.

Er schickte dem Senat einen umfangreichen Fragenkatalog zu dem V-Mann. Unter anderem will er wissen, in welchen Moscheen P. eingesetzt war, wie viel Honorar er bekam und welchen Bezug er zu Amri hatte.