Der Corona-Gipfel am Mittwoch im Kanzleramt bestimmt seit Tagen die bundesweite Debatte um mögliche Lockerungsszenarien im Lockdown. Keine Landesregierung will den Ergebnissen der Bund-Länder-Gespräche vorgreifen, niemand detaillierte Fahrpläne vorlegen. Dabei liegen wohl längst in allen Hauptstädten Exit-Papiere in der Schublade. Unabhängig von den Ergebnissen am Mittwoch will das Land Berlin jetzt seine Schulen und Kitas für einen Neustart ausstatten und kauft dafür Schnelltests. Diese Tests können ein wichtiger Bestandteil für eine Lockerung sein, stellen sie doch fest, ob die getestete Person infektiös ist. Doch noch ist weitgehend unklar, wie die Schulen an die Tests kommen sollen.

Der Baustein für die vorsichtige Rückkehr in die Normalität in der Pandemie heißt „Dedicio“ und stammt von der Firma Nal von Minden, einem Medizintechnik-Unternehmen mit Firmensitz im niederrheinischen Moers und in Regensburg in der Oberpfalz. Drei Millionen dieser Schnelltests hat der Senat bestellt. So steht es in einer Vorlage von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die der Senat am Dienstag beschlossen hat. Neben den Schnelltests ist demnach auch die Beschaffung Tausender weiterer Luftfiltergeräte für Schulen sowie weiterer 700.000 Masken geplant. Insgesamt stehen für das Unterstützungspaket rund 70 Millionen Euro zur Verfügung. 

32 Millionen Euro für drei Millionen Tests

Bildungssenatorin Scheeres frohlockt bereits. „Selbsttests können einen wichtigen Beitrag zur Corona-Prävention leisten“, sagt die SPD-Politikerin. Die Selbsttests gelten als vierter Baustein der Berliner Teststrategie, zusätzlich zum Screening, den Krankenhaus-Teststellen für asymptomatisches Personal und den mobilen Teststellen.

Allein 32 Millionen Euro der Gesamtsumme stehen für die Tests bereit. Diese drei Millionen Tests sind laut Senatsbeschluss für das gesamte Personal von Schulen, Kitas sowie für Schülerinnen und Schüler an öffentlichen, privaten und beruflichen Schulen gedacht. Kita-Kinder sollen nicht getestet werden. Dagegen erhalten auch die stationären Einrichtungen der Jugend- und Eingliederungshilfe Selbsttests. Es solle zweimal die Woche getestet werden, die Tests seien freiwillig. Bei einem positiven Ergebnis sei eine PCR-Nachtestung mit Laborauswertung erforderlich. Bereits Ende der Woche soll eine erste Lieferung von 1,5 Millionen Tests in Berlin eintreffen.

Zusätzlich zu den Selbsttests werden derzeit bereits 240.000 Schnelltests für die Kitas ausgeliefert. Diese Tests müssen von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden. Auch diese Tests sind nur für die Mitarbeiter gedacht.

2,5 Zentimeter tief in die Nase

Der Clou an dem Dedicio-Test ist, dass ihn jeder problemlos an sich selbst vornehmen kann und dafür keine Schulung vonnöten ist. Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung reicht ein Abstrich „im vorderen Nasenbereich“ aus - laut Hersteller 2,5 Zentimeter tief -, um ein aussagefähiges Ergebnis zu erzielen. Es sei also nicht notwendig, wie bei anderen Tests das Stäbchen unangenehm tief in Nasen- und Rachenraum zu führen. Bei ordnungsgemäßer Anwendung biete Dedicio eine 97-prozentige Sicherheit gegen ein falsch positives sowie eine sogar 99-prozentige Sicherheit gegen ein falsch negatives Ergebnis, heißt es.

Seit langem schon fordern Fachleute und Politiker die Zulassung auch solcher Tests, für die die Lektüre des Beipackzettels ausreicht. Der Dedicio-Hersteller profitiert nach eigenen Angaben von einer Öffnungsklausel im Infektionsschutzgesetz, die den Verzicht auf geschultes Personal vorsieht. Die Firma ist zudem in die nationale Teststrategie des Bundesgesundheitsministerium integriert.

Außerdem stellt die Bildungsverwaltung weitere Luftfiltergeräte und FFP2-Masken in Aussicht. So würden zusätzlich zu den bereits bestellten 1200 mobilen Luftreinigungsgeräten bis Ostern weitere 2800 Geräte zentral beschafft. Nochmal 3500 Geräte könnten bis zum Sommer folgen. Dafür seien insgesamt mehr als 15 Millionen Euro eingeplant.

Unklarheit über Verteilung durch Bezirke 

Doch noch ist unklar, wie die Schulen an die Selbsttests gelangen. Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung sollen die Präparate zunächst an die Bezirke geliefert werden und von dort an die Schulen verteilt werden. Wie die Schüler an die Test-Kits kommen sollen, ist noch völlig offen. Eine nicht-repräsentative Umfrage der Berliner Zeitung erbrachte am Dienstag ein ernüchterndes Ergebnis: Keines der angefragten Gesundheitsämter in den Bezirken wusste von der neuen Aufgabe.

Vermutlich bleiben aber noch zwei Wochen, um die Verteilung sicherzustellen. Seit Tagen spricht vieles dafür, dass die weiterführenden Schulen bis auf wenige Ausnahmen bundesweit bis Ende des Monats geschlossen bleiben.