Ein Polizeibeamter vor der Neuen Synagoge Berlin.
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BerlinNach dem Nazi-Attentat von Halle wird erneut die Frage diskutiert: Wie sicher sind Juden und Isralis überhaupt noch? Wie werden gefährdete Einrichtungen geschützt, wie schützen sich die Menschen selber? Bereits kurz nach dem Attentat erhöhte die Berliner Polizei ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen, die ohnehin rund um die Uhr eingesetzten Objektschützer vor Synagogen und anderen jüdischen Einrichtungen trugen am Mittwoch Maschinenpistolen. Wie lange das so bleibt, ist noch nicht klar.

Davon unabhängig sind Orte wie beispielsweise die Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin mit Pollern ausgestattet, die mögliche Fahrzeug-Attentäter aufhalten soll. Auch jüdische Schulen oder Friedhöfe sind teils mit Sicherheitskameras ausgestattet und werden von der Polizei "mit sichtbaren und unsichtbaren Maßnahmen" bewacht. Welche genau das sind, wird aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt.

Sicherheitstraining in jüdischen Gemeinden

„Leider haben wir uns beinahe schon daran gewöhnt, dass jede jüdische Einrichtung von der Polizei bewacht oder besonders geschützt werden muss: Synagoge, Schule, Kindergarten, Restaurant, Friedhof“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangenes Jahr anlässlich des 80. Jahrestags der Pogromnacht gesagt.

Dennoch verlässt sich die Jüdische Gemeinde in Berlin und Deutschland nicht nur auf Schutz durch die Behörden. "Wenn es um Anschläge oder „Vorfälle“ geht, haben sicherlich einige Gemeinden etwas zu erzählen, von der Schändung eines jüdischen Friedhofs, der Beschädigung einer Synagoge bis hin zum Brandanschlag in der jüdischen Gemeinde Wuppertal im Sommer 2014", heißt es bei der "Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.". Der bundesweit tätige Verein veranstaltete in der Vergangenheit Seminare zum Thema „Security in jüdischen Gemeinden“.

Notwehr und vorläufige Festnahmen

Ein Schwerpunkt dabei sind Simulationen, bei denen Szenarien „geprobt“ werden, in denen "die spezifischen Sicherheitserfordernisse verdeutlicht wurden, wie zu Schabbat oder anlässlich jüdischer Feiertage, wenn viele Besucher in die einzelnen Gemeinden kommen", so der Verein.

Und weiter: "Praktisch geübt wurde außerdem ein effektiver Gebäudecheck, Personen- und Taschenkontrolle und der Umgang mit aggressiven Personen („Störern“)". Zudem werde "juristisches Grundwissen aus der Strafprozessordnung vermittelt: Wie definiere ich Notwehr, ab wann ist eine vorläufige Festnahme zulässig. Auch die Grundlagen der Selbstverteidigung und Eigensicherheit gehörten zum Programm".

Weiterhin wiesen die Leiter des Seminars, an dem auch ein LKA-Beamter teilnahm, darauf hin, "wie wichtig ein guter Kontakt und die enge Zusammenarbeit der jüdischen Gemeinden mit der Polizei vor Ort ist".

Jüdische Gemeinde zu Berlin stark gefährdet

Auch die Jüdische Gemeinde zu Berlin wird nach eigener Aussage "zu den stark gefährdeten Einrichtungen der Stadt gezählt". Sowohl Gemeinde als auch der Senat seien "durch Terrordrohungen und rechtsradikale Gefahren gezwungen, Vorkehrungen zu treffen".

Zuständig für die "Organisation des Objektschutzes" ist die Jüdische Gemeinde nach eigenen Angaben selbst, wenn auch in enger Kooperation mit der Polizei".