Berlin - Wie alt (oder jung) ist der neue Bundestag?

Der durchschnittliche Bundestagsabgeordnete ist 49,6 Jahre alt. Die Altersspanne reicht vom 24-jährigen FDP-Abgeordneten Roman Müller-Böhm bis zum AfD-Mann Wilhelm von Gottberg mit 77 Jahren. Mehr als die Hälfte der Bundestagsmitglieder ist zwischen 45 und 59 Jahren alt, die kleinste Gruppe ist die der 18- bis 29-Jährigen.

Wie viele Abgeordnete sind weiblich und wie verteilen sie sich auf die Parteien?

69 Prozent der Parlamentarier sind Männer. Lediglich 218 Frauen haben es in den Bundestag geschafft, 16 weniger als bei der letzten Wahl. Bei der AfD ist der Frauenanteil mit 11,7 Prozent am geringsten. Bei der Linken ist etwas mehr als die Hälfte der Abgeordneten weiblich, bei den Grünen sind es sogar 58,2 Prozent.

Welche Berufe dominieren?

Die Juristen haben im neuen Bundestag deutlich die Oberhand: 115 der Abgeordneten gehören zu dieser Berufsgruppe. Außerdem gibt es 26 Lehrer und Hochschullehrer sowie elf Ärzte oder Tierärzte. Bei handwerklichen Berufen wird die Zahl kleiner: Neun von ihnen, unter ihnen Metzger, Elektroniker und Goldschmiede, haben ein Mandat bekommen. Außerdem gibt es drei Landwirte in den Fraktionen.

Wer ist der Jüngste?

Das ist Roman Müller-Böhm von der FDP, der über den NRW-Listenplatz ins Parlament kommt. Der am 12. Dezember 1992 geborene Müller-Böhm studiert seit dem Wintersemester 2012/2013 Jura in Bochum. Seine Kernthemen im Wahlkampf waren das schnelle Internet und die Entlastung von Polizisten.

Wer holte die meisten Erststimmen?

Die Rechtsanwältin Silvia Breher (CDU) hat sich souverän in ihrem Wahlkreis durchgesetzt: 57,7 Prozent der Erststimmen im Kreis Cloppenburg-Vechta in Niedersachsen gingen an sie, SPD-Gegenkandidat Kristian Kater brachte er gerade mal auf 20,4 Prozent. Im Wahlkreis Berlin-Mitte reichten der SPD-Politikerin Eva Högl magere 23,5 Prozent der Stimmen für das Direktmandat.

Warum sitzen im neuen Bundestag erstmals mehr als 700 Abgeordnete?

Dem neu gewählten Parlament gehören 709 Abgeordnete an. Das sind 78 mehr als nach der Wahl 2013. Die für viele Wähler irritierende Vermehrung der Sitze hat mit dem komplizierten Wahlrecht zu tun: Die Gewinner der 299 Wahlkreise besetzen die eine Hälfte des Parlaments, die andere Hälfte wird im Verhältnis der abgegeben Zweitstimmen über die Landeslisten der Parteien bestimmt. Daraus ergibt sich eine Mindestgröße für das Parlament von 598 Sitzen. Bekommt eine Partei mehr Direktmandate, als ihr eigentlich Sitze über die Zweitstimmen zustehen, dann bleiben diese Mandate erhalten, schließlich wurden die Abgeordneten direkt gewählt (Überhangmandate). Dadurch wird allerdings das Größenverhältnis zwischen den Fraktionen durcheinander gebracht. Deshalb gibt es seit einer Reform von 2013 Ausgleichsmandate. Bei der Wahl am vergangenen Sonntag sorgten 49 Überhangmandate für 62 Ausgleichsmandate.

Wird es jetzt nicht eng im Reichstag?

Ja, die Bundestagsverwaltung hat Probleme, die vielen Abgeordneten unterzubringen. Dabei geht es nicht nur um Büroräume, sondern auch um den Platz im Plenum. Außerdem kostet die Aufblähung Geld. Der Bund der Steuerzahler hat bereits ausgerechnet, dass sich die Ausgaben für Diäten, Fraktionszuschüsse und ähnliche Kosten im Jahr auf rund 517 Millionen Euro erhöhen werden.

Das sind 54 Millionen Euro mehr als bisher und 75 Millionen mehr als bei der Mindestgröße von 598 Sitzen. „Das verkorkste Wahlrecht hat eine Kostenlawine losgetreten, die in keinem Verhältnis zu einem parlamentarischen Mehrwert steht“, kritisierte Verbandschef Reiner Holznagel.

Wer sitzt künftig wo?

Strittig ist weiter, wo die AfD im Plenarsaal platziert wird. Nimmt sie vom Rednerpult aus gesehen rechts Platz, sitzt sie genau neben der Regierungsbank. Gegen eine Platzierung ganz links ist die Linkspartei, weil diese damit ihren symbolträchtigen Platz verlieren würde. In der Mitte – zwischen den möglichen Koalitionspartnern Grüne und Union, will die FDP sitzen. Die Sitzordnung muss in den kommenden Tagen der Vor-Ältestenrat klären, der die konstituierende Sitzung des Parlaments vorbereitet. Ihm gehören der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert, die Vizepräsidenten und die Parlamentarischen Geschäftsführer der im Bundestag vertretenen Parteien an.