Berlin - Die CSU ist die erfolgreichste Partei Deutschlands. Seit sagenhaften 60 Jahren stellt sie die Ministerpräsidenten in Bayern. Das zeigt auch: Die These, die Wähler belohnten Harmonie und bestraften Streit, ist falsch. Denn innerparteiliche Machtkämpfe begleiten die CSU seit ihren frühen Tagen. Man kann auch nicht sagen, dass sie dabei die ansonsten gern beschworenen bürgerlichen Werte wie Anstand, Würde und Respekt besonders pflegten. Im Gegenteil, es geht oft rüde und ehrabschneidend zu, man könnte auch sagen: Hinterfotzig.

Seit Alfons Goppel 1978 nach 16 Jahren als Ministerpräsident sein Amt unter mehr oder weniger sanftem Druck an den Parteivorsitzenden Franz Josef Strauß übergab, ist kein Regierungschef der CSU mehr freiwillig ausgeschieden. Während Strauß 1988 nach gesundheitlichen Problemen im Amt starb, spielten bei seinen Nachfolgern schon heftige innerparteiliche Auseinandersetzungen eine Rolle.

Strauß' Nachfolgefrage war der Anfang

Das begann bereits mit der Frage, wer Strauß in seinen beiden Ämtern nachfolgen sollte. Sowohl Max Streibl als auch Theo Waigel strebten beides an, heraus kam eine Ämterteilung: Der bisherige bayerische Finanzminister Streibl wurde Ministerpräsident, der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag Waigel Vorsitzender. Damit beschickten zwei der Machtzentren der Partei die Führung – die Landtagsfraktion und die Landesgruppe der Bundestagsabgeordneten.

Zu diesen beiden Machtzentren, die es in der Form in keiner anderen Partei gibt, kommen noch die regionalen Bezirksverbände, deren Vorsitzende ebenfalls über großen Einfluss verfügen. In keiner anderen Partei spielt die regionale Herkunft (Bayern, Franken, Schwaben) bei der Besetzung von Spitzenämtern noch so eine große Rolle.

All dies sind Quellen für die manchmal so unerbittlich geführten Kämpfe, bei denen es oft weniger um verschiedene politische Richtungen als um persönliches Machtstreben, um Eitelkeiten und Konkurrenz geht.

„Amigo-Affäre“ zwingt Streibl zum Rücktritt

Streibl stolperte 1993 über die „Amigo-Affäre“, einen Korruptionsskandal, in dem es um von Streibl vermittelte Aufträge an Rüstungsunternehmen ging. Im Gegenzug erhielt er Einladungen für luxuriöse Urlaubsreisen. Streibl wurde von seiner eigenen Partei zum Rücktritt gezwungen, als er versuchte, die Vorwürfe ins Lächerliche zu ziehen.

Im Kampf um seine Nachfolge entbrannte dann eine der erbittertsten Auseinandersetzungen zwischen dem Parteivorsitzenden Theo Waigel und seinem Stellvertreter Edmund Stoiber, die bis heute nachwirkt.

Griff in die Private Schmutzkiste

Waigel wurde u.a. vorgeworfen, er vernachlässige neben seiner Arbeit als Bundesfinanzminister in Bonn die Partei in Bayern. Aber erstmals griffen innerparteiliche Gegner auch in die private Schmutzkiste und streuten Gerüchte über eine Affäre des noch verheirateten Ministers mit der Skirennläuferin Irene Epple. Sie stimmten – 1994 heirateten die beiden nach der Scheidung Waigels. Stoiber aber setzte sich durch und wurde ein erfolgreicher Ministerpräsident, der 1999 Waigel schließlich auch als Parteivorsitzenden beerbte.