Moskau - Eine Antriebspanne kurz nach dem Start einer russischen Sojus-Rakete zur ISS hat am Donnerstag die beiden Astronauten an Bord zu einer Notlandung in Kasachstan gezwungen. Der US-Astronaut Nick Hague und sein russischer Kollege Alexej Owtschinin hätten überlebt, bestätigte der Kreml am Donnerstag. „Sie leben, Gott sei Dank“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Sie wurden inzwischen aus der Kapsel geholt und von kasachischen Rettungskräften versorgt. Die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete unter Berufung auf eine Quelle in der russischen Raumfahrt, dass Hague und Owtschinin unverletzt seien.

Bleibt Alexander Gerst länger im All?

Nach der Panne ist über eine mögliche Verlängerung der Mission von Alexander Gerst noch nicht entschieden. „Dafür ist es jetzt zu früh, es hängt ganz wesentlich davon ab, wie schnell man die Ursache findet und für die Zukunft ausschließen kann“, sagte Europas Raumfahrtchef Jan Wörner am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Gersts Mission auf dem Außenposten der Menschheit läuft bis Dezember. Falls Gerst wegen der Panne der russischen Sojus-Rakete länger im All bleiben müsse, wäre dafür alles vorhanden, sagte Wörner, der Europas Raumfahrtbehörde Esa leitet.

Probleme mit Triebwerk

Nach Angaben russischer Agenturen hatte es kurz nach dem Start der Rakete vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur zur Internationalen Raumstation (ISS) Probleme mit einem der Triebwerke gegeben. Roskosmos erklärte, dass es „im Moment des Starts“ eine „ungewöhnliche Lage“ eingetreten sei. „Die Rettungssysteme wurden aktiviert.“ Die US-Raumfahrtbehörde Nasa teilte mit, dass Rettungskräfte im Einsatz seien.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur vor Ort sagte, der Start sei zunächst gut verlaufen. „Nach der Trennung der ersten Stufe aber hatten wir den Eindruck, dass es eine Art Blitz gab.“

Derzeit hat Alexander Gerst als erster Deutscher und zweiter Europäer überhaupt das Kommando an Bord der ISS. Zur Crew von Gerst gehören die US-Astronautin Serena Aunón-Chancellor und der russische Kosmonaut Sergej Prokopjew. Owtschinin und Hague sollten neu dazukommen.

Die USA hatten ihr Space-Shuttle-Programm 2011 eingestellt. US-Astronauten konnten seither nur noch mit russischen Sojus-Raketen zur ISS gelangen. Der Vertrag mit Russland läuft im November 2019 aus. Dann sollen SpaceX und Boeing übernehmen. (afp)