Berlin - Im April 1952, Stalin lebte noch, da machte sich eine Reporterin der Berliner Zeitung in Betriebe auf, um dort Frauen diese Frage zu stellen: „Wie vereinbaren Sie Ihre Arbeit mit Ihrem Familienleben?“ Der erste Weg führte sie ins Berliner Glühlampenwerk mit 60 Prozent weiblicher Belegschaft. Sie traf Helga, 23 Jahre, Umsiedlerin, nun als Transportarbeiterin beschäftigt – eine harte Arbeit, eine Männerarbeit. 

Das gute Verhältnis zu den männlichen Kollegen hatte sie sich erkämpft. Mehr als einmal habe sie „schimpfen“ und sich mit ihnen „zanken“ müssen. Warum denn, fragte die Reporterin? „Nun, die Männer meinen: Du bist gleichberechtigt, du verdienst den gleichen Lohn, dann leiste auch dieselbe Arbeit.“ Helga berichtete von Schikane, zum Beispiel wenn ein Wagen zu schmieren war, dieser nicht ohne Hilfe gekippt werden konnte und sie die Hilfe nicht bekam. „Gleichberechtigung kann doch nicht bedeuten, dass ich mir einen Bruch hole“, sagte die junge Arbeiterin und traf damit den Kern des frisch erlassenen Frauengesetzes, das weibliche Beschäftigte vor Zumutungen schützen sollte. Helga hat sich schließlich in der Arbeitswelt durchgesetzt, so wie unzählige Frauen in Ostdeutschland.

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