Ökonomen werden ja derzeit viel gescholten, sind aber für manche unumstößliche Weisheit trotzdem noch gut, zum Beispiel diese: „There is noch such thing as a free lunch“ – frei übersetzt: „Ein kostenloses Mittagessen gibt es nicht.“ Will sagen: Irgendwer zahlt immer, irgendwie.

Zum Beispiel Altbundespräsident Christian Wulff. Der hat gefeiert und ist gereist wie kaum einer seiner Vorgänger im Amt. Gezahlt hat er auch, irgendwie, am Ende mit seinem Amt. Dabei hat er sich durchaus bemüht, dass auch für den Steuerzahler mal etwas rumkommt. Für sein letztes Sommerfest konnte das Bundespräsidialamt sagenhafte drei Millionen Euro an Sponsorengeldern einwerben. Wulff setzte mit diesem Einsatz eine Tradition fort, die auch sein Vorgänger Horst Köhler gepflegt hatte. Gedankt hat es ihm niemand.

Bezahlt haben es die Sponsoren

Mittlerweile ist Joachim Gauck Bundespräsident. Der verbringt seine Sommerferien an der Ostsee, im eigenen Ferienhaus, und pflegt auch sonst einen schlichteren Stil als Wulff. Gerade die Partys dürfen bei ihm ein bisschen weniger opulent ausfallen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, wird das Bundespräsidialamt das diesjährige Sommerfest fast vollständig selbst finanzieren. Und es wird mit einem Bruchteil des bisherigen Budgets auskommen. 500.000 Euro, mehr ist nicht vorgesehen. Sponsoren dürfen nur Sachspenden beisteuern, beispielsweise eigenen Kaffee ausschenken, wie ein Sprecher erklärte.

Absehbar, dass die Feier an Glamour verliert. Was waren das in den letzten beiden Jahren für Feste! 5600 Gäste! 75 Köche! 280 Künstler! Und alles für umme, denn bezahlt haben ja Autohersteller, Fluggesellschaften, Mobilfunkfirmen – Unternehmen der freien Wirtschaft, die sich im Gegenzug mit durchaus nicht bescheidenen Ständen präsentieren durften. Ähnlich wie das übrigens bei Bundestreffen großer Parteien gang und gebe ist.

Ohnehin möchte Gauck seinem Fest einen anderen Rahmen geben, das hat er schon im Frühjahr angekündigt. Weniger Prominenz, mehr „verdiente Bürger“ – was immer das heißen mag. Er wolle mit seinen Gästen ins Gespräch kommen.

Einige hundert oder tausend Bürger kriegen also demnächst eine Einladung des Präsidenten zum guten Gespräch bei einer Tasse Kaffee. Bleibt abzuwarten, wie viele kommen. Denn es gibt noch eine unumstößliche Wahrheit: Das kostenlose Mittagessen hat noch jeder gerne mitgenommen.