Eine Demonstrantin in Minsk hebt die Hand zum Victory-Zeichen, um ihre Solidarität mit der geflüchteten Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja zu zeigen.
Foto: imago images/Zuma Wire

Berlin/MinskUnd dann ist plötzlich der litauische Außenminister am Telefon. Am Montag hat sein Land die weißrussische Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja aufgenommen, man könnte fast sagen: ihr Asyl gegeben, da sie sich in ihrem Heimatland nach den Präsidentschaftswahlen vom Sonntag nicht mehr sicher gefühlt hat. Die Wahlen seien manipuliert gewesen, sagt die Opposition. Zwei verstörende Videoaufnahmen hat Tichanowskaja hinterlassen. Eine aus Litauen, in der sie ihren Landsleuten von Gewalt abrät. Die andere wurde vor der Abreise aufgezeichnet, nachdem Tichanowskaja in die Zentrale Wahlkommission in Minsk gegangen war, um das Endergebnis zu beanstanden. Laut mehrerer verlässlicher Quellen wurde sie sieben Stunden lang festgehalten und von weißrussischen Sicherheitskräften verhört. Auf dem Minsker Video scheint sie eingeschüchtert die manipulierte Wahl zu akzeptieren.

Der litauische Außenminister Linas Linkevicius empört sich nun im Gespräch mit der Berliner Zeitung, wie die Präsidentschaftskandidatin in Minsk behandelt wurde. Die Sicherheitskräfte hätten der 37-Jährigen Angst gemacht, sie unter Druck gesetzt, sie erpresst. „Sie hatte zwei Optionen: Entweder das Land in die Freiheit zu verlassen oder ihre Freiheit zu verlieren.“ Was die Frau, die jetzt in Belarus als Heldin gefeiert wird, als nächstes vorhat, könne er nicht sagen. Sie sei jetzt bei ihren Kindern, die Tichanowskaja schon vor Wochen nach Litauen geschickt hatte. Jetzt würden die nächsten Schritte besprochen.

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