Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. 
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BerlinDie wochenlangen strengen Beschränkungen des privaten und öffentlichen Lebens in der Corona-Krise zeigen offenbar Wirkung. Nach einer starken Dynamik in der Ausbreitung der Epidemie Mitte März sei diese nach heutigem Stand «beherrschbar», sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Allerdings steigt die Zahl der Toten inzwischen schneller, wie der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, ergänzte. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte zugleich: «Wir sind nicht auf sicherem Grund.»

Immer deutlicher wird, dass es bundesweit einheitliche Regelungen für die Rückkehr zur Normalität nicht geben wird. Die Landesregierung in Sachsen ist am Freitag mit einer Maskenpflicht im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften vorgeprescht. Zugleich ließ sie wieder Gottesdienste zu, die andernorts verboten bleiben. Im Nahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern sind Masken vom 27. April an ebenfalls Pflicht. Auch beim Ausbau der Kinder-Notbetreuung gibt es keinen gemeinsamen Weg.

Die bisherigen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie in Deutschland sind nach Darstellung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erfolgreich gewesen. «Der Ausbruch ist - Stand heute - wieder beherrschbar und beherrschbarer geworden», sagte der CDU-Politiker am Freitag in Berlin. Mitte März habe es im Ausbruchsgeschehen eine sehr starke Dynamik gegeben. Daher hätten sich Bund und Länder zu einer «Vollbremsung» entschieden und zum Beispiel Großveranstaltungen verboten, Kitas und Schulen sowie Restaurants und Geschäfte geschlossen. «Nun können wir sagen, das war erfolgreich. Wir haben es geschafft, das dynamische Wachstum zurückzubringen zu einem linearen Wachstum.» Die Infektionszahlen seien deutlich gesunken. FDP-Chef Christian Lindner forderte daraufhin mehr Tempo bei der Rückkehr in die Normalität.

Sachsen hat als erstes Bundesland für den öffentlichen Nahverkehr sowie für den Einzelhandel eine Maskenpflicht beschlossen. Die Regelung gelte von Montag an, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Freitag nach einer Sitzung des Kabinetts in Dresden. Zur Abdeckung von Nase und Mund reiche allerdings auch ein einfaches Tuch oder ein Schal. Wenn man in so vielen Bereichen zusätzliche Kontakte von Menschen zulasse, sei eine Maskenpflicht «die richtige Antwort», so Kretschmer.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern sind Masken im Nahverkehr vom 27. April an Pflicht. Dies sei nötig, weil mit der Öffnung von Läden und Schulen auch die Nutzung von Bussen und Bahnen wieder deutlich zunehmen werde, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in Schwerin. Dort sei das Abstandsgebot aber kaum einzuhalten. Sachsen wiederum will am Montag auch öffentliche Gottesdienste wieder erlauben - allerdings mit maximal 15 Teilnehmern.