Jens Spahn hat ein Buch geschrieben – über Fehler und Lehren aus der Pandemie

Das Buch des CDU-Politikers Jens Spahn trägt den Titel „Wir werden einander viel verzeihen müssen“. Nun hat er es in Berlin vorgestellt.

Spahn am Mittwochabend in der Bertelsmann-Repräsentanz
Spahn am Mittwochabend in der Bertelsmann-Repräsentanzdpa

Vor zwei Jahren noch wäre jeder Platz besetzt gewesen, wenn Jens Spahn die Presse zum Gespräch geladen hätte. Am Mittwochabend aber blieben viele Stühle leer bei Bertelsmann in Berlin-Mitte. Und das, obwohl der CDU-Politiker sein lesenswertes Buch vorstellte. Es trägt den Titel „Wir werden einander viel verzeihen müssen“, benannt nach Spahns Zitat zu Beginn der Corona-Pandemie. 

Er blickt darin zurück: Auf seine Rolle als Gesundheitsminister in der Krise. Auf zähe Ministerpräsidentenkonferenzen, Anfeindungen und Lehren, die er aus dieser Zeit ziehen will. Spahn sprach an diesem Abend von „der schwersten Zeit“ seiner Karriere.

Wen er selbst um Verzeihung bitten müsse, wollte Moderatorin Miriam Hollstein natürlich wissen. Die Kinder und Familien, sagte Spahn. Trotz der vielen Diskussionen über Schulschließungen sei das, was diese Monate mit Familien und Kindern gemacht hätten, „zu wenig im Fokus“ gewesen.

Spahn schreibt von Verhaltenskodex für Krisenzeit

Dieses Buch ist insofern interessant, da Spahn einen Spagat wagt. Kaum scheint die eine nie dagewesene Krise überwunden, in der er als Regierungsmitglied in der Verantwortung stand, steckt das Land schon wieder in der nächsten – und er, der Oppositionspolitiker, denkt laut nach über seine Erfahrungen und entwickelt Maßstäbe für das politische Miteinander. 

So schreibt Spahn von einem „Verhaltenskodex“ für Krisenzeiten. Dieser habe drei wesentliche Punkte: „Nicht unter die Gürtellinie gehen. Dem anderen das Recht zugestehen, Entscheidungen zu korrigieren. Dazu Parteiführungen, die ihre Reihen dementsprechend disziplinieren.“ Die Opposition, so Spahn, sei dazu angehalten, „den Finger in die Wunde zu legen, aber dabei das Maß zu wahren, staatspolitisch verantwortlich zu sein“. Daran wird auch er sich selbst und seine CDU messen müssen.

Spahn will der Bundesregierung keine Tipps geben

In Erinnerung ist Spahn der Fragenkatalog geblieben, den der Koalitionspartner SPD im Januar 2021 an den Gesundheitsminister richtete. Damals ging es um Impfstoffbeschaffung. In dieser Zeit, schreibt Spahn, sei die Pandemiepolitik zunehmend zur Parteipolitik geworden. Es liegt nahe, beim Lesen an die aktuelle Debatte über die Zukunft der deutschen Atomkraft zu denken, an das Gerangel zwischen Grünen und FDP vor der Landtagswahl in Niedersachsen. Am Mittwochabend sagte Spahn, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung leide, wenn aus Koalitionspartnern die Stichwortgeber für Kritik würden.

Was die Selbstkritik betrifft, beschränkt sich Spahn vor allem aufs Kommunikative. Zwar müsse Politik gerade in der Krise ausreichend erklärt werden. Allerdings sei auch zu viel Kommunikation möglich, nicht jede Talkshow müsse besucht und nicht jede eigene Gefühlsregung nach außen getragen werden. Wenn man an einem Abend dreimal mit den Medien spreche, so Spahn, sage man nicht dreimal das Gleiche – die nächste Ticker-Meldung sei dann programmiert.

Wer mochte, konnte das als Hinweis für den Politiker verstehen, mit dem Spahn wenige Stunden zuvor noch im Bundestag gestritten hatte: an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Aber Tipps, das betonte Spahn am Mittwochabend, Tipps wolle er wirklich nicht geben.