Berlin - In der Debatte um künftige Corona-Impfungen auch für Kinder und Jugendliche hat der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission zu Geduld gemahnt. „Wir wollen in jedem Fall die Daten zur Impfung von Kindern genau prüfen, bevor eine generelle Impfempfehlung für Kinder gegeben werden kann“, sagte Thomas Mertens der Zeitung Die Welt. „Derzeit diskutierte Argumente wie Urlaub können nicht die primären entscheidungsrelevanten Argumente der Stiko sein.“ Wenn die Zulassung für Kinder von 12 bis 15 Jahren erteilt sei, „dann sollten tatsächlich Kinder mit schweren Vorerkrankungen zuerst geimpft werden“.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigte, dass es auch für Schüler keinen Impfzwang geben werde. Es werde eine „freiwillige Entscheidung“ der Kinder und Eltern bleiben. Bis zum Ende der Sommerferien solle den 12- bis 18-Jährigen in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will noch im Mai über die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech und Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren entscheiden.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte zweifelte am Zeitplan für die Impfungen bei den Jüngsten. Verbandspräsident Thomas Fischbach sagte der Rheinischen Post, die Entscheidung der EMA stehe noch aus – und dann müsse auch noch die Ständige Impfkommission zustimmen. „Deswegen halte ich die derzeit verkündeten Zeitpläne mit Terminen im Spätsommer für überambitioniert.“ Fischbach betonte zugleich: „Wir Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte stehen bereit. Wir wollen die Jugendlichen in unseren Praxen sobald wie möglich gegen Covid-19 impfen.“ Gleiches gelte zur gegebenen Zeit für die Kinder.

RKI-Präsident Lothar Wieler: „Dieses Virus wird uns nicht mehr verlassen“

Spahn sagte, die Länder planten bereits die Organisation der Impfungen von Kindern und Jugendlichen. Er sei optimistisch, dass die Über-12-Jährigen im Sommer geimpft werden können. Voraussetzung sei die Zulassung.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, ist für Reihenimpfungen auch in den Schulen. „Nur so können wir viele Jugendlichen auf einen Schlag impfen“, sagte er dem Handelsblatt. Neben den Kinder- und Jugendärzten sei der öffentliche Gesundheitsdienst in der Verantwortung. Fischbach hatte Reihenimpfungen als „kontraproduktiv“ abgelehnt. Spahn versicherte, „dass es keine verpflichtende Impfung geben wird“.

Das Robert Koch-Institut betonte, dass jede und jeder mit einer Corona-Infektion rechnen müsse, der sich nicht impfen lässt. „Dieses Virus wird uns nicht mehr verlassen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Mittwoch in Berlin. „Dieses Virus wird auf Dauer jeden Deutschen infizieren, der nicht geschützt ist durch eine Impfung. Das wird auf Dauer so sein.“