Berlin - Die Corona-Impfkampagne von Bundesregierung und Berliner Senat kommt weiterhin nur langsam in Schwung. Grund dafür sind geringe Liefermengen der Vakzine. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) machte am Montag erneut den Hersteller Biontech/Pfizer dafür verantwortlich und kritisierte, dass dieser erst sehr kurzfristig auf die Engpässe hingewiesen habe. Betroffen davon seien nach Spahns Worten im Übrigen „alle Staaten außer den USA“.

Auch der Start des dritten Berliner Impfzentrums am Montag in einer Messehalle am Funkturm wurde von einer Terminverschiebung überschattet. So blieb nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung die für Montag angekündigte Biontech-Lieferung von 29.500 weiteren Impfdosen für Berlin aus. Sie wird nun für den heutigen Dienstag erwartet. Das führte dazu, dass in dem neuen Impfzentrum im Laufe des Montags nur rund 200 Impfungen geplant waren. Dabei liegt die maximale Kapazität bei 4100 Impfungen pro Tag.

Für Ende der Woche ist in der Messehalle eine Steigerung auf 1000 Impfungen pro Tag vorgesehen. Doch ob das realistisch ist, werden erst die kommenden Tage zeigen. In den bereits betriebenen Impfzentren, der Arena in Treptow und dem Erika-Heß-Eisstadion in Wedding, wurden vorige Woche durchschnittlich rund 1.140 Impfungen pro Tag durchgeführt.

„Ein Schock“ am Freitag

Wenn die nächsten Lieferungen eintreffen, kann die Kapazität in allen Impfzentren erhöht werden. Auch die weiteren drei Impfzentren – im Velodrom sowie in den ehemaligen Flughäfen Tempelhof und Tegel – könnten binnen kürzester Zeit ihren Betrieb aufnehmen, hieß es aus der Gesundheitsverwaltung.

Doch die gesamte Planung steht wegen ausbleibender oder verzögerter Lieferungen infrage. Es gebe nach wie vor große Unsicherheit, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci am Montag. Die Nachricht am vergangenen Freitag, dass der Lieferplan nicht sicher sei, sei ein Schock gewesen, sagte die SPD-Politikerin im Gesundheitsausschuss des Abgeordnetenhauses. „Wir können nicht Termine machen auf Grundlage eines Lieferplans von Biontech und vom Bundesgesundheitsministerium und dann heißt es, die Lieferungen kommen nicht“, sagte Kalayci. „Das ist wirklich ein Ober-Gau.“

Außerdem mahnte die Senatorin mehr Transparenz an. „Auf unsere Frage ,Was heißt denn reduziert, kriegen wir nur ein Drittel, die Hälfte oder 20 Prozent weniger?‘ haben wir keine Aussage bekommen“, sagte Kalayci. Die Senatorin geht jedenfalls davon aus, dass die nächste Lieferung in der kommenden Woche „wahrscheinlich geringer ausfällt“. Um wie viel geringer, konnte sie mangels detaillierter Informationen nicht sagen.

Berlin liegt bei Impfungen im Mittelfeld

Nach Kalaycis Angaben hat Berlin bisher 90.000 Impfdosen von Biontech und vom US-Hersteller Moderna geliefert bekommen. „Wir haben 50 Prozent unserer Impfdosen verimpft. Und das ist auch der Plan“, sagte sie. Jeweils die Hälfte solle für die zweite Impfung reserviert werden.

Nach einer Aufstellung des Robert-Koch-Instituts (RKI) lag Berlin bis Sonnabend mit 13,2 Impfungen pro 1000 Einwohner im Mittelfeld aller Bundesländer. Besonders zurückhaltend ist demnach Baden-Württemberg mit 9,0 Impfungen auf 1000 Einwohner, besonders schnell Mecklenburg-Vorpommern, wo laut RKI Stand Sonnabend bereits 23,4 von 1000 Einwohnern geimpft waren. Angesichts der Lieferengpässe der Hersteller werden die kommenden Tage und Wochen zeigen, ob alle Bundesländer der Empfehlung der Ständigen Impfkommission des RKI folgen und die zweite Dosis tatsächlich drei Wochen nach der ersten verabreichen können.

Pflegepersonal muss weiter in die Impfzentren

Nach Angaben von Kalaycis Staatssekretär Martin Matz wird in Berliner Alten- und Pflegeheimen dieser Tage mit dem zweiten Durchgang begonnen. Die ersten Impfungen wurden in den Einrichtungen ab dem 28. Dezember gegeben.

Die aktuelle Knappheit des Impfstoffs führt jedoch dazu, dass sich die Pflegekräfte in den Heimen weiter nicht gleichzeitig mit den Bewohnern impfen lassen können. „Hätten wir genug Impfstoff, hätten wir die Pflegekräfte mitgeimpft“, sagte Kalayci. Es habe aber das Risiko bestanden, dass der Impfstoff nicht für Bewohner und Personal reichen würde. Da man dies nicht riskieren wollte, müsse sich das Personal weiter in eines der Impfzentren begeben.

Angesichts dieser Hürden lobte Kalayci die Impfbereitschaft des Personals. „9000 haben sich schon impfen lassen von 23.000.“ Das seien fast 40 Prozent. „Ich bin zufrieden, ich weiß nicht, wo das herkommt, dass die Pflegekräfte sich nicht impfen lassen wollen, dass der Weg zu lang ist oder dergleichen.“

Wahlfreiheit soll bleiben

In dem Zusammenhang verteidigte die Senatorin erneut ihr Vorgehen, den Berlinern Wahlfreiheit über ihren Impfstoff zu gewähren. Dieser ergebe sich aus dem Impfmanagement. „Was spricht dagegen, wenn man weiß, in diesem Impfzentrum gibt es Impfstoff XY, dass man sich danach dann auch richten kann?“, fragte Kalayci rhetorisch.

Derzeit kommt im Impfzentrum in der Arena und in dem auf dem Messegelände der Biontech-Impfstoff, im Impfzentrum im Erika-Heß-Eisstadion dagegen der von Moderna zum Einsatz. Als nächstes Zentrum soll jenes im Velodrom an den Start gehen – auch dort soll es Moderna geben.