Symbolfoto von Coronavirus Diagnosen.
Foto: Thomas Trutschel/photothek.de

BerlinJeden Tag um 11.30 Uhr gibt das spanische Gesundheitsministerium die aktuellen Zahlen zur Covid-19-Epidemie heraus. Am Freitag waren es diese: 64.059 positiv Getestete, 4165 Patienten auf den Intensivstationen, 4858 Tote, 9357 Geheilte. Die Zahlen sagen fast nichts. Die einzig aufschlussreiche Zahl ist die der Toten. Seit Donnerstag ist sie höher als die der Covid-19-Toten in China.

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Die Zahl der positiv Getesteten dagegen zeigt nicht mehr als die Kapazität des Gesundheitssystems, Tests durchzuführen. Und die ist zum Verzweifeln gering. Die Zahl der Infizierten dürfte etwa zehnmal höher liegen als die der positiv Getesteten, es gibt gute Schätzungen dazu. Menschen mit leichten Symptomen gehen nicht ins Krankenhaus und wenn doch, werden sie ohne Test wieder nach Hause in die Selbstquarantäne geschickt. In Madrid werden auch schwerkranke Patienten mit allen Symptomen einer Coronavirus-Infektion nicht mehr getestet, sondern sofort so behandelt, als hätten sie die Infektion.

Dass Spanien über das Ausmaß der Epidemie im Nebel tappt, ist die Folge schlechter politischer Entscheidungen. Spaniens oberster Seuchenschützer Fernando Simón sagte am 5. März: „Menschen ohne Symptome zu testen, ist nicht sehr sinnvoll.“ Ein negatives Ergebnis könne bei den Getesteten „ein falsches Gefühl der Sicherheit“ erzeugen. Die Konsequenz der behördlichen Testverweigerung ist ein korrektes Gefühl der Unsicherheit bei allen.

Inzwischen hat die Regierung dazugelernt. Doch die bestellten Schnelltests, die diese Woche endlich in Spanien ankamen, haben sich als unbrauchbar erwiesen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Ganz Spanien ist mitbestraft.