Berlin - Die besten Pädagogen sollten sich in Kitas und Schulen um die Berliner Kinder kümmern. So sollte es sein. Dieses Ziel wird künftig noch schwerer zu erreichen sein, denn die Umstände ändern sich. Berlin will sein Kita-Angebot in den kommenden vier Jahren (auch personell) massiv ausbauen, und die Schulen verlieren in den nächsten zehn Jahren jährlich weit über tausend Lehrer, die in Pension gehen. Deshalb muss der Senat genau jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, um fähige Pädagogen zu gewinnen. Derzeit geschieht auf jeden Fall zu wenig.

Berliner Kita-Erzieherinnen werden im bundesweiten Vergleich besonders schlecht bezahlt; ihre Arbeit wird systematisch gering geschätzt. So wollte Finanzsenator Ulrich Nußbaum bei den Haushaltsverhandlungen aus Spargründen durchsetzen, dass jede fünfte Kita-Erzieher-Stelle mit einem Sozialassistenten, also einem noch billigeren Hilfspädagogen, besetzt wird. Das konnte gerade noch verhindert werden. Schon jetzt können die Kitas ihrem Bildungsauftrag nur schwer nachkommen. Das zeigen die jüngsten Sprachtests für Vier- bis Fünfjährige: Gut 2.400 Kinder, die mindestens zwei Jahre eine Kita besucht haben, sprechen nur schlecht Deutsch. Sind nicht schulreif.

Respektloser Umgang mit Lehrpersonal

Den Kitas täte eine Öffentlichkeitskampagne für den Erzieherberuf gut; sie brauchen Fortbildung in Sachen Sprachförderung und wenigstens eine Vertretungsreserve für den Fall, dass sich die Erzieher wieder mal bei den lieben Kleinen eine Grippe eingefangen haben. Und anstatt gut verdienende Ärztepaare von Kita-Gebühren zu befreien, sollte man solche Einnahmequellen nutzen, um Kita-Kindern vernünftiges Deutsch beizubringen.

Blickt man auf die Lehrer, wird noch klarer, dass Berlin alles andere als eine verlässliche Personalentwicklung betreibt. Jahrelang wurden aus Spargründen überhaupt keine Lehrer mehr eingestellt, während die verbeamteten gemeinsam alterten. In einigen Lehrerzimmern waren Krankheitsbilder, die man typischerweise mit zunehmendem Alter entwickelt, das vorherrschende Gesprächsthema.

Immerhin traf man 2004 die prinzipiell richtige Entscheidung, Lehrer nicht mehr zu verbeamten, sondern als Angestellte zu beschäftigen. Schließlich sollen sich Lehrer nicht am Statusdenken des ausgehenden 19. Jahrhunderts orientieren, sondern am gegenwärtigen Arbeitsleben, sie sollen selbstbewusst und flexibel agieren und sogar ein Streikrecht haben. Doch leider dachte man nicht genug nach über die Perspektiven für die angestellten Lehrer, als der Berliner Senat die Lehrerverbeamtung abschaffte. Zumal die meisten Bundesländer leider weiter verbeamten und auf diese Weise einen unfairen Personalklau verursachen.

Die Berliner Junglehrer, die eigentlich frischen Wind in die Klassen- und Lehrerzimmer bringen sollten, sind deshalb kurz nach dem Berufsstart schon frustriert: Sie verdienen netto deutlich weniger als ihre verbeamteten Kollegen im selben Lehrerzimmer. Nicht wenige gehen in andere Bundesländer und lassen sich dort verbeamten. Skandalöserweise ist die Bezahlung der angestellten Junglehrer in Berlin noch nicht einmal durch einen Tarifvertrag gedeckt. Die derzeitige Regelung ist jederzeit kündbar, nach Gutdünken der Politiker. Dieser respektlose Umgang mit Landesbediensteten führt auch dazu, dass bald nicht mehr die Besten in Berlin Lehrer werden; schon jetzt sind in Mangelfächern wie Mathe kaum noch echte Fachkräfte zu finden.

Mehr Entscheidungsgewalt für die Schulen

Was also tun? Berlin muss die angestellten Lehrer besser bezahlen, ihnen Perspektiven geben und sie als vorbildlich für den Lehrerberuf von morgen darstellen. Mehr Eigenverantwortung und weniger Laufbahnrecht, mehr Personalhoheit für die Schulen und weniger Obrigkeitsstaat personalisiert durch Schulräte - das würde den Schulen helfen. Alles deutet darauf hin, dass der Angestelltenstatus auch den Krankenstand senken würde, weil Angestellte anders als Beamte nicht jahrelang bei voller Lohnfortzahlung krankgeschrieben zu Hause bleiben können.

Besonders schwer haben es die Schulen in sozialen Brennpunkten, die schon jetzt gemieden werden. Um diese Schulen für Lehrer attraktiver zu machen, müsste die Unterrichtsverpflichtung tatsächlich gesenkt werden.

Wer Geld investiert, darf aber auch erwarten, dass bestimmte Standards nicht unterboten werden. Die zwingende Veröffentlichung der Schulinspektionsberichte wäre für die Qualitätskontrolle ein probates Mittel. Hilfreich ist es dabei, wenn Schulen viele Entscheidungen selbst treffen können, auf den Lernerfolg ihrer Schüler achten und über ein starkes Leitungsteam verfügen.