Berlin - Nach der Wahlschlappe der CDU in Mecklenburg-Vorpommern wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter heftig kritisiert. Einmal mehr werden die Rufe nach einem Rücktritt der Kanzlerin und Zweifel an einer weiteren Kandidatur laut. Die „Bild“ titelt bereits, ob die CDU mit Merkel noch Wahlen gewinnen kann. „Frau Merkel hat ihren Zenit eindeutig überschritten“, der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner dem Nachrichtenportal „Spiegel Online“. Die Frage sei, ob sie ihre Partei noch hinter sich habe.

Merkel verfüge immer noch über ein großes Maß an Machtbewusstsein, sagte Stegner. Es wäre ein Fehler, sie zu unterschätzen. „Wir haben Monate hinter uns, in denen die SPD immer wieder totgesagt wurde. Und jetzt erweist sich Angela Merkels angebliche Unbesiegbarkeit als Mär.“ Die Bundestagswahl werde spannender, als viele denken.

Heftige Worte von Seehofer

Merkel hat sich bislang immer noch nicht geäußert, ob sie bei der Bundestagswahl 2017 erneut antreten wird, auch nicht, wann sie ihre Entscheidung mitteilen werde. CSU-Chef Horst Seehofer wetterte heftig gegen Merkel. Seehofer sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Die Lage für die Union ist höchst bedrohlich“, die Menschen wollten „diese Berliner Politik nicht“. Seine mehrfache Aufforderung zur Kurskorrektur in der Flüchtlingspolitik sei nicht aufgenommen worden.

Seehofer ist allerdings gegen eine Kandidatur-Debatte zum jetzigen Zeitpunkt. Wenn es nach ihm geht, soll erst dann über Personen gesprochen werden, wenn beide Parteien bis zu den Parteitagen im November (CSU) und Dezember (CDU) ihre inhaltlichen Positionen für den Wahlkampf festgelegt haben.

Immer noch ist es Merkels Flüchtlingspolitik, für die sie in der CSU scharf angegangen wird. SPD-Vize Stegner sagte dazu: „Einige halten inzwischen ja sogar für möglich, dass Frau Merkel die Debatte um ihre Kandidatur mit Herrn Seehofer gar nicht mehr führt.“

Söder will „Wir ändern das“

Bayerns Finanzminister Markus Söder wertete die Wahlergebnisse vom Sonntag als Weckruf. Es habe eine Serie von Wahlen gegeben, in der die Menschen ihre Unsicherheit und ihre Unzufriedenheit ausdrückten und sich einen Kurswechsel wünschten. „Wie kann man denn so was ignorieren?“, fragte der CSU-Politiker in den Tagesthemen. Statt „wir schaffen das“ müsse es nun heißen: „Wir haben verstanden und wir ändern das.“ Ein stures „Weiter so“ könne es nicht geben. „Wir dürfen das deutsche Volk nicht ignorieren.“

Merkel, hatte sich gestern zu der Wahl und ihrem Flüchtlingskurs geäußert. Am Rande des G-20-Gipfels in China gestand sie eine Niederlage ein, verteidigte aber auch ihren Kurs. Sie gab zu, dass der Ausgang der Wahl „natürlich etwas mit der Flüchtlingspolitik“ zu tun habe. Alle müssten nun „darüber nachdenken, wie können wir jetzt das Vertrauen wieder zurückgewinnen - und vorneweg natürlich ich“.