Berlin - Mit der Entscheidung hat sich die SPD schwergetan, aber es lag wohl auch am Protest vor allem von Politikerinnen, dass nun eine Frau Bundestagspräsidentin werden soll. SPD-Politikerin Bärbel Bas wird nun von ihrer Fraktion vorgeschlagen, heißt es. Vorher war Fraktionschef Rolf Mützenich gehandelt worden – nur dann hätte es mit Olaf Scholz als Kanzler und Frank-Walter Steinmeier als Bundespräsident eine reine Männerriege an der Spitze gegeben. Und gerade Scholz hatte im Wahlkampf stets betont, dass die Hälfte der Macht den Frauen gehöre.

Bärbel Bas hat das Zeug dazu, sagen Fraktionsmitglieder. Die gelernte Personalmanagerin aus Duisburg sitzt seit 2009 im Bundestag und befasst sich vor allem mit Sozial- und Gesundheitsthemen. Seit 2019 ist sie als Vize im Fraktionsvorstand der Sozialdemokraten. Innerhalb der Partei gehört Bärbel Bas zum linken Flügel und ist Mitglied der Parlamentarischen Linken.

Die Personalie muss von der Fraktion noch bestätigt werden. Dann könnte Bas am kommenden Dienstag bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags gewählt werden. Die frühere Integrationsbeauftragte Aydan Özoğuz (SPD) soll für das Amt der Bundestagsvizepräsidentin kandidieren. Auch sie war immer wieder als Nachfolgerin von Wolfgang Schäuble (CDU) gehandelt worden.

Schachzug: Bärbel Bas rettet Steinmeiers Wiederwahl

Gerade die Frauen in der SPD hatten zuletzt Druck auf ihre Fraktion ausgeübt, das Amt unbedingt weiblich zu besetzen. Allerdings war es nicht einfach, eine geeignete Kandidatin zu finden – viele langerfahrene Abgeordnete waren nicht mehr angetreten, andere waren zu jung. Hinzu kam aber noch ein weiteres Problem, dass letztendlich für Bärbel Bas sprach: Sollte die SPD keine Bundestagspräsidentin stellen, wäre die angestrebte zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Gefahr gewesen, weil man dann eine Frau zur Bundespräsidentin hätte machen müssen. Dafür stand bereits Grünen-Politikerin Kathrin Göring-Eckardt in den Startlöchern.