SPD-Chef Saleh kritisiert Sparankündigungen bei Sprach-Kitas

Der Bund will Sprach-Kitas nicht mehr wie bisher fördern. Berlins SPD-Chef befürchtet weitreichende Folgen für die Gesellschaft - und fordert die Bundesfamil...

ARCHIV - Raed Saleh (SPD) spricht vor Journalisten.
ARCHIV - Raed Saleh (SPD) spricht vor Journalisten.Carsten Koall/dpa

Berlin-Berlins SPD-Chef Raed Saleh hat die Ankündigung des Bundes kritisiert, das Sprach-Kita-Programm nicht langfristig fortzusetzen. „Ich habe kein Verständnis, dass an der falschen Stelle gespart wird“, sagte Saleh am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. „Ich appelliere an das Finanz- und das Familienministerium, das zu korrigieren.“ Saleh forderte Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) auf, sich hier klar zu positionieren.

Und er forderte die Ministerin auch auf, sich selbst ein Bild zu machen. „Ich lade sie ein, mit mir in ihrer Heimatstadt Berlin eine Sprach-Kita zu besuchen“, sagte der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende. Paus habe dann Gelegenheit zu erfahren, welchen Gewinn die Förderung in einer Sprach-Kita bringe, was auch die Wissenschaft längst belegt habe. „Wo du früh anfängst, legst du die Grundlagen für das weitere Leben dieser Kinder“, sagte Saleh.

Der Wegfall der Mittel für die Sprachkitas treffe alle Bundesländer hart. „Besonders die mit großen Ballungszentren“, sagte Saleh. Ob in Köln, Bremen, Stuttgart, Berlin oder Leipzig, wo sich die gesellschaftliche Vielfalt zeige, sei es notwendig, dass Kinder schnell zueinander fänden und die deutsche Sprache lernten.

Er habe deshalb kein Verständnis für die Pläne der Bundesregierung. „Wir können es uns nicht leisten, an der Sprache der Kinder zu sparen“, sagte Saleh. „Gerade nicht in diesen Zeiten, wenn wir wollen, dass die Gesellschaft zueinander findet und beieinander bleibt.“ Kinder, die die Kita mit guten Sprachkenntnissen verließen, hätten die beste Ausgangslage, in der Grundschule mitzuhalten.

Aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sprach-Kitas seien die Sparpläne ein Tritt gegen die Kniescheibe. „Weil sie sich täglich bemühen, das hinzubekommen, was wir als Politik von ihnen erwarten: einen Beitrag zu leisten zu einer friedlichen Gesellschaft, in der Sprache das verbindende Element ist.“

Der SPD-Politiker forderte, die Bundesfamilienministerin müsse dem Thema Priorität einräumen und den FDP-Finanzminister zu einer Klärung bewegen. Ein weiteres Aussitzen des Themas gehe nicht.

Über das Programm für Sprach-Kitas finanziert der Bund seit 2016 zusätzliches Personal zur Sprachentwicklung in den Einrichtungen. Ab kommendem Jahr sollen nach dem Willen der Bundesregierung die Länder selbst die Förderung übernehmen, da Kitas Ländersache sind. Zunächst wollte der Bund das Programm Ende 2022 auslaufen lassen. Die Länder protestierten lautstark dagegen. Mittlerweile hat Paus ihnen eine Übergangsfrist bis Mitte 2023 angeboten.

Die Bundesministerin argumentiert damit, dass die Länder über das vom Bund geplante sogenannte Kita-Qualitätsgesetz in den kommenden zwei Jahren vier Milliarden Euro für Personal und Qualität in Kitas bekommen. Das Geld könne auch zur Sprachförderung eingesetzt werden. Für Berlin geht es um 13,4 Millionen Euro pro Jahr. Aktuell gibt es in der Hauptstadt 351 Sprach-Kitas.

Die Senatsverwaltung für Bildung und Familie hatte am Freitag mitgeteilt, Berlin wolle die Sprach-Kitas weiterführen, wenn die Förderungen aus dem bisherigen Programm wegfielen. Dafür müssten aber Mittel für Maßnahmen zum Gute-Kita-Gesetz umverteilt werden. Auch die Familienverwaltung sieht ein Ende des Bundesprogramms im kommenden Jahr ausgesprochen kritisch.