Berlin - Eine verkorkste Diskussionsrunde, veranstaltet vom SPD-Kulturforum und der SPD-Grundwertekommission, erhitzt auch Wochen später die Gemüter von Genossinnen und Genossen. Wenige Tausend Menschen haben online mitverfolgt, wie der von Gesine Schwan moderierte Jour fixe mit der FAZ-Feuilletonchefin Sandra Kegel aus dem Ruder lief. Schon im Vorfeld hatten LGBTI-Organisationen gegen die Veranstaltung protestiert, die auf einen umstrittenen Kommentar Kegels zum ActOut-Manifest von 185 queeren Schauspielerinnen und Schauspielern Bezug nahm. SPD-Chefin Saskia Esken und Vize Kevin Kühnert zeigten sich im Nachgang „zutiefst beschämt“ über „die fehlende Zurückweisung von Grenzüberschreitungen und die mangelnde Sensibilität im Umgang mit den Gäst*innen.“ So steht es in einer Einladung zu einem Gespräch, in dem Kühnert und Esken kommende Woche Vertretern der LGBTI Empathie und Solidarität demonstrieren wollen.

Kegel hatte in ihrem Kommentar die Ungleichbehandlung von queeren Schauspielerinnen und Schauspielern mit dem Hinweis auf die „Dauerpräsenz“ bekannter TV-Gesichter wie Ulrich Matthes und Maren Kroymann bestritten. Kroymann hatte sich zuvor geoutet, Matthes allerdings erst jetzt. Wenn Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender oder Intersexuelle mal eine Rolle nicht bekämen, findet Kegel, mag das „ärgerlich sein und sicherlich auch kränkend, aber lebensgefährlich ist das nicht“. Harsche Reaktionen auf diesen flapsigen Umgang mit einem offensichtlichen Problem führt die Journalistin im Jour fixe auf ein von „Nervosität“ geprägtes Debattenklima zurück: „Wir sind alle so empfindlich geworden, dass wir einem robusten Streit lieber aus dem Weg gehen.“

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